Über mich

Ich habe Lungenkrebs, was nun,
genau diese Frage habe ich mir gestellt, als mir mein Pulmologe im Juli 2007 diese Diagnose stellte.
Aber beginnen wir von vorn, bedingt durch einen Wohnortwechsel von Wuppertal nach Düsseldorf, wechselte ich auch -was ich ursprünglich vermeiden wollte- meinen Hausarzt, es sollte sich als lebensrettend herausstellen.
Auf Empfehlung eines Bekannten steuerte ich also einen Internisten auf der Immermannstrasse in Düsseldorf an. Dieser stellte sich als äusserst gründlich und unnachgiebig bezüglich des Rauchens heraus und wollte, bevor er mir meine seit Jahren üblichen Tabletten verschrieb erst einmal wissen, wie „ich von Innen aussehe“.
Ich werde Ihm dafür ewig dankbar sein. Also willigte ich in einen kompletten Check Up ein. Was damit verbunden ist, weis jeder, der es schon einmal gemacht hat.

Es folgten Darmspiegelung, Röntgen der Lunge und so weiter.
Beim Betrachten der Röntgenbilder fragte er ob ich Golf spielen würde, denn auf der Aufnahme sah es so aus, als hätte ich einen Golfball verschluckt, ein kreisrunder Fleck in der linken unteren Lungenhälfte, somit also ging´s zum CT und es folgte die Überweisung zu einem Pulmologen, einem der besten in dieser Stadt.

Da der Termin durch meinen Internisten gemacht wurde, war dieser kurzfristig angesetzt.
Der Pulmologe ordnete eine Bronchoskopie in der folgenden Woche Mittwoch an. Weil dies jedoch nicht in meine Planung passte, ich flog an dem Tag nach Mallorca in Urlaub, hat Er ihn einen Tag vorverlegt. In diesem Urlaub habe ich durch ein von Ihm verschriebenen unterstützenden Medikament am 07.07.2007 das Rauchen aufgegeben.
Aus dem Urlaub zurück, erklärte und zeigte mir der Pulmologe auf seinem Monitor, dass es sich bei dem was wie ein Blumenkohl aussah um ein Plattenepithelkarzinom, also Lungenkrebs handelt.

Auf meine Frage „was nun?“ die lapidare Antwort: entweder „Ruhrtalklinik Essen“, oder „Diakonie Düsseldorf Kaiserswerth“. Ich entschied mich für Kaiserswerth und Er schrieb die sofortige Einweisung.

Am nächsten morgen zog ich in aller Frühe mit meinem gepackten Köfferchen los, erledigte die Anmeldeformalitäten und ging Richtung Station. Auf dem Weg dorthin wurde mir etwas mulmig, nach einigen unauffälligen Zimmern folgte links die ev. Kapelle, danach der „Raum der Stille“, dann die kath. Kapelle und es folgte eine Glastüre mit der Aufschrift „Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren haben keinen Zutritt“ und ich erreichte das Schwesternzimmer wo man mir mein Zimmer, ein 3-Bettzimmer mit dem Hinweis zuwies, „die Ärztin kommt gleich zu Ihnen“.

Wenig später erschien eine noch sehr junge Ärztin, stellte sich vor und bat mich an einem quadratischen Tisch Platz zu nehmen. Wir saßen uns gegenüber und mir fiel auf, dass Sie ein betretenes Gesicht machte und es folgte folgender Dialog:

Ich: hatten Sie Nachtdienst? Sie: „nein“
Ich: Ärger mit dem Freund? Sie: „nein warum?“
Ich: „weil Sie so ein betretenes Gesicht machen“
Sie: „Herr Cramer, wir sprechen über eine Krebserkrankung“
Ich: „aber die hab´doch ich und nicht Sie“.
Sie: „Sie sind aber drauf“ und lächelte.
Ich: “ Frau Doktor, für Sie sind was mich mich betrifft drei Dinge wichtig:

1. „sagen Sie mir immer ohne Umschweife was Sache ist“, und
2. „Chemotherapie kommt bei mir aus persönlichen Gründen nicht in Frage“ und
3. „wenn operativ etwas zu machen ist, bin ich dabei“.
4. „…und wenn es dann so sein sollte, dass ich in die ewigen Jagdgründe muß, brauchen Sie sich nicht zu sorgen, denn ich hatte ein wunderschönes erfülltes Leben, habe all das getan was ein Mann tun muss: Bäume gepflanzt, Häuser gebaut, Kinder gezeugt, über Frauen rede ich nicht, jedes Auto das ich mir wünschte gefahren und die Welt gesehen. Ich war arm, reich, wieder arm usw. 3 x geschieden d.h. 3x durch die Hölle und zurück, ich kann nur noch geniessen und nur noch gewinnen, einen schönen Tag noch“.

Die nächsten 12 Tage folgte ein wahrer Untersuchungsmarathon, Röntgen, CT, MRT, Nuklearmedizinische Untersuchung, und, und, und.
Außerdem während der gesamten Zeit Atemübungen und zum guten Schluß nachdem feststand daß sich nirgendwo sonst in meinem Körper Matastasen befanden, dann der Test auf dem Ergometer um festzustellen, ob nach einer eventuellen OP mein Blut noch mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird.
Auch diesen Test bestand ich „zum Glück“ und die OP konnte erfolgen. Tatsächlich waren es jedoch zwei, denn um ganz sicher zu gehen wurde im Brustbereich ein Schnitt vorgenommen, um zu prüfen ob Lymphen befallen sind.
Am 10.09.2007 folgte dann die große OP, sie verlief erfolgreich und seitdem lebe ich nur noch mit ca. 60% Lungenvolumen, aber ich LEBE.
Schnell laufen geht garnicht, auch Treppensteigen fällt mir schwer, aber Fahrradfahren geht nach viel Training „Gott sei Dank“ wieder.

Mit freundlichem Gruss

Hans Joachim Cramer

11 Kommentare zu Über mich

  1. Tillmann sagt:

    Hallo Hans-Joachim
    deine Einstellung zum Leben gefällt mir !!!

    Ich wünsche dir noch viele gute Radtouren !
    Vielleicht interessiert dich die bemerkenswerte Radreise meiner Tochter
    FEUERLAND – ALASKA
    unter
    http://www.swinde.de

    Gruß
    Tillmann

    • oldieonbike sagt:

      Danke, Tillmann, für die guten Wünsche, aber auch und vor Allen den Link zu Deiner bemerkenswerten Tochter, auf die Du mit Recht bestimmt sehr stolz sein kannst und bist.
      Das ist viel schöner Lesestoff für die kleinen Pausen zwischendurch.

  2. Martin sagt:

    Hallo Hans-Joachim,

    hatte Deine Webseite irgendwie verloren und wollte Deine Tochter schon anschreiben, aber eben in Facebook Radreisen wieder gefunden.
    Mir ging es ähnlich, zwar nur zweimal geschieden, aber das reichte mir.
    Meine Herzop (Aortaklappe neu und ein Stück der Aorta) war für mich als Sportler auch nicht ohne. Aber wegen dem Sport konnte ich schon vier Monate später mein silbernes Sportabzeichen machen. Bin jetzt wieder fit und freue mich. Ich hoffe Du kannst noch lange radeln, und wegen der Kommentare bei Facebook da lache ich nur, denn ich glaube manche haben gar kein Rad. 😏
    Gruß
    Martin

    • admin sagt:

      Hallo Martin,
      Danke für Deinen Kommentar, ich musste das mal los werden weil machen Menschen einfach nicht begreifen, oder begreifen wollen.
      Wer wie Du auch Erfahrungen mit Handicaps hat denkt da völlig anders.
      Ich wünsche Dir auch weiterhin alles erdenklich Gute 🙂

      PS. Welche Tochter? Ich weiß von keiner, gib mal bitte die Kontaktadresse, Danke.

      • Martin sagt:

        Hallo
        Habe ich mich da irgendwie verhauen? Ich bin damals über die swinde.de auf Deine Seite gekommen, aber frag mich nicht, wie. Ich weiß es nicht mehr. Vieleicht fällt es mir irgendwann ein, dann schreibe ich Dir.
        Ich sitze zur Zeit noch im Garten, rund um mich Kerzen, ein
        Weinchen und genieße diesen Abend.
        Bis später mal
        Martin

  3. Arturo sagt:

    Coole Lebenbejahende Einstellung, super! Ein Quantum an Humor ist auch Lebensrettend, zumal bis an den Jordan.

    • admin sagt:

      Danke Arturo,
      nur so geht es, anders wäre das Leben für mich nicht zu ertragen.
      Sich zu Hause hinsetzen und auf den Mann mit der Sense warten verkürzt die Lebenszeit um ein vielfaches.
      Bleib gesund und alles Gute.

  4. Maxi sagt:

    Hallo Jochen,
    Es tut mir sehr leid von Deiner Krebserkrankung zu hören, aber Du bist ja zäh, hehe…
    Auch wenn unsere Zeit miteinander nicht wirklich ehrlich von Dir war aber dennoch 7 Jahre meines Lebens waren, freue ich mich heute ein Lebenszeichen von Dir bekommen zu haben. Schön das Du das Rauchen aufgegeben hast und nun die Natur und Bewegung für Dich gefunden hast 🙂
    Ich wünsche Dir alles Gute und das Du noch viele Jahre auf dem Rad verbringen kannst.
    Liebe Grüße von mir

    • admin sagt:

      Hallo Maxi,
      es ist schön nach so langer Zeit (fast 20 Jahren) von Dir zu hören, die Krebserkrankung ist lange her und ich hab’s überlebt und überstanden.
      Was von meiner Seite nicht ehrlich gewesen sein soll, erschließt sich mir nicht, aber manche Menschen neigen gern dazu eine Entschuldigung für ihre (Fehl-) Entscheidungen bei anderen zu suchen 🙂 Für mich jedenfalls folgten auf die schönen Jahre weniger schöne.
      Aber ich habe meinen Weg gefunden und Spaß daran.
      Auch ich wünsche Dir alles erdenklich Gute………

  5. Klaus Hartmann sagt:

    Hallo Jochen,
    lange nichts gehört von Dir. Muss ich mir Sorgen machen…?

    • admin sagt:

      Hallo Klaus,
      stimmt, lange nichts gehört, einige unschöne Dinge erleben müssen, doch nun ist wieder alles soweit OK.
      Bin dabei verlorenes Terrain bzgl. Kondition zurück zu gewinnen 🙂
      Werde Dich bald mal anrufen.

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