Champagne/Ardennen/Maas

…einige Bemerkungen zur Einleitung

– dies ist meine 7.Radreise,…und sie war Klasse!
– meine erste Tour ohne jegliche anderen Transportmittel, Fähren ausgenommen.
– der zweite Versuch mit Reisepartner zu fahren, leider wieder gescheitert.
–daher quasi im „Blindflug“, nur mit touristischen Info-Karten und einer kurzfristig noch ausgedruckten Routenbeschreibung von bikedoll.de (herzlichen Dank dafür) unterwegs, auch ohne GPS, hätte nichts genutzt (Aussagen von vier Reisebekanntschaften).
– und da es einige wenige gibt, die mich bzgl. meines Gepäcks immer wieder belächeln, hätte ich diese gerne in der 2. Woche in Frankreich bei ca. 10° erlebt, sie hätten sich den A…h abgefroren. Daher bitte jedem das Seine.
– Meine Bewunderung gilt Leuten wie von bikedoll.de, die das Gelände in den Ardennen als „leicht welliges Terrain“ oder „leicht hügelige Landschaften“ bezeichnen, für mich waren es richtige Berge (aber ich bin selbst schuld, hätte mich zuvor ja intensiver erkundigen können).
– auch aufgrund von ständigem Gegenwind über 3 Wochen, dieser Saukälte, einer heftigen fiebrigen Erkältung und den teils für mich erheblichen Steigungen, stand ich gelegentlich vor der Aufgabe, da dies jedoch nicht meinem Naturell entspricht hab ich die Tour durchgezogen und das war gut so.
– Der Titel jedoch müsste umbenannt werden, auf:
„Rundreise Düsseldorf, Rhein, Mosel, Metz, Nancy, Champagne/Ardennen-Meuse, Verdun, Sedan, Charleville-Meziers, Liege, Maas, Maastricht, Roermond, Nijmegen, Emmerich, Rhein, Düsseldorf“.
Vom 04.06. bis 28.06.2010
ca. 1400 km, 100 Std. im Sattel, 4900 Hm

1.Tag 04.06.2010
Als ich um 07:50h Max (so nenne ich mein Bike, weil es sich um ein Maxcycles Town Lite handelt) mit Hänger und insgesamt 43 kg beladen bei schönem Wetter aus dem Stall geholt hatte, und ich mich mit einem Lebendgewicht von 96,2 kg vor meiner Haustüre in Düsseldorf in den Sattel schwinge und los düse, war ich -obwohl ich wegen des Reisefiebers wenig geschlafen hatte- sehr guter Dinge.
(Was das Gepäck angeht, war es obwohl ich verschlankt hatte vermeintlich zu viel, jeder Gewichtsminimalist hätte mich beim Einpacken für verrückt erklärt.)
Schließlich sollte es ab Koblenz mit einem neuen Reisepartner weiter gehen. Georg, auch Anf. 60 hatte über ein Forum einen Reisepartner gesucht, ich habe mich gemeldet, weil die Tour die er fahren wollte, einer Tour die mir seit letztem Jahr vorschwebt recht nah kam. Eine Reisebekanntschaft meiner Wien Tour im vergangenen Jahr – Reimund aus Bonn, unterwegs mit Liegerad- hatte mir den Floh die Maas zu fahren ins Ohr gesetzt.
Ich fahre also den Rhein entlang gen Süden, überquere den Rhein auf der Brücke der A46 -> Dormagen, Köln, eine Strecke die ich häufiger fahre, daher fahre ich in Köln immer einen bestimmten Kiosk an um mir einen Kaffee zu gönnen. Diesmal hatte ich jedoch die Rechnung ohne die Polizei gemacht, denn auf den paar Metern die ich dazu auf dem Gehweg fahren musste brachten mir ein Knöllchen über 5 € ein.
Ich fahre wieder zum Rhein, vorbei an der Bastei und hoffe, das wie ich hörte mir entgegen kommende „drahteselchen“ zu treffen. Ich habe ihn leider nicht getroffen, Möglichkeiten sich zu verpassen gibt´s ja genug. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite sehe ich den CP auf dem ich mich 2 Wochen zuvor mit Georg getroffen hatte um alles zur Tour zu besprechen.
Georg, ein sehr netter Zeitgenosse, absoluter Minimalist, Weinliebhaber und -kenner war für „Low Budget“, was auch mir entgegen kam, schließlich sollte es diesmal keine „Schlemmertour“ wie die nach Wien werden.
Hinter Remagen führt mein Weg direkt am CP „Riesengebirgsblick“ vorbei und ich beschließe hier mein neues Zelt erstmals neben netten Nachbarn aufzubauen, und gönne mir nach dem Duschen noch leckeres Ajoli mit Weißbrot und ein Weizenbier.

km 98,36

2.Tag 05.06.2010
Ich habe gut geschlafen, und mache mir zuerst einmal einen Cappu, dazu einen Energieriegel und eine Banane danach, mein übliches Frühstück unterwegs.
Beim Abbau hab ich ziemlich getrödelt, noch einen Plausch mit meinem Nachbarn, er war in Elternteilzeit, sie sorgte als Stewardess für das nötige Geld mit einem süßen kleinen Jungen dem sofort auffiel, dass meine Nase etwas groß geraten ist.
Aber ich hatte ja auch Zeit, denn ich musste schließlich erst um 16:00h in Kaltenengers vor Koblenz sein. Georg musste an dem Samstag noch arbeiten und wollte mich dort abholen.
Bei der Fahrt durch Weißenthurm fällt mir das Rhein Hotel auf, wo ich auf meiner ersten Tour vor 5 Jahren übernachtet hatte. Ich gönne mir eine Portion Kaffee und ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, „Low Budget“ kommt ja erst später.
Bei der Überquerung einer Holzbrücke bei Rhein-Km 629 fällt auf, dass rechts und links an den Pfeilern brennende Grablichter stehen.
In St. Sebastian fällt mir auf, dass ich Kaltenengers bereits passiert hatte, wende und fahre unter einer Eisenbahnbrücke durch, die ich vor 5 Jahren nach dem Besuch eines mir bekannten Etablissements zur Überquerung des Rheins benutzt hatte und überlege kurz ob ich das umgekehrt jetzt machen sollte, Zeit hatte ich ja noch genug. Aber nein, mir war nicht danach, daher suche ich mir ein lauschiges Plätzchen um ein kleines Nickerchen zu machen.
Georg kam nachdem wir telefoniert hatten und holte mich ab, er fuhr natürlich „leer“ vorweg und mir fiel auf, dass Koblenz, zumindest sein Wohnort ziemlich bergig ist, oder wollte der „Gauner“ nur testen ob ich das mit meiner halben Lunge schaffe???
Aber auch auf späteres Nachfragen gab es keine Antwort, nur ein Lächeln.
Der nette Georg, der in einer WG lebt hatte leckeres Chili con Carne gekocht, nach dem Essen sind wir nochmal den Berg runter in einen Koblenzer Biergarten gefahren, haben etwas getrunken und ich konnte auf dem Sofa nächtigen.

km 63,15

3.Tag 06.06.2010
Wir sind zeitig aufgestanden und fahren nachdem wir „gesattelt“ hatten um 07:00h los. Georg fährt vor -er kennt sich ja hier aus- und wir fahren zunächst auf der rechten, vermeintlich schlechteren Moselseite. Dass dem nicht so ist, sondern in anderen Berichten oftmals nur zu lesen ist, weil es einige wenige km auf gut zu befahrenen Schotterwegen durch den Wald geht, schön sogar. Georg tritt ganz schön in die Pedalen, fährt eine hohe Trittfrequenz und es fällt mir nicht leicht zu folgen, geht aber. Um 12:00h machen wir eine ½ Stunde Pause mit Energieriegel und Banane. Georg will heute Zell erreichen, wo wir den direkt zum CP führenden Wirtschaftsweg verpassen, und daher einen –für mich- Mörderanstieg auf dem Radweg neben der Bundesstraße fahren, wobei ich fast gestorben wäre, denn es ist 37,5° heiß, hinzu kommt der heftige Gegenwind, der mich die nächsten 3 Wochen begleitet. Bei einer kleinen Verschnaufpause fängt Georg an zu lachen und erklärt, dass er vor 2 Jahren das gleiche Problem an gleicher Stelle hatte. Wir erreichen den CP Zell um ca. 15:00h und werden schon beim Aufbau feucht, weil ein heftiges Gewitter Wind und Regen satt bringt. Nachdem Georg sein Mittagsschläfchen gemacht hatte, das Gewitter war vorbei und der Regen weniger, „kochen“ wir uns etwas. Ich hatte einige Packungen dehydrierte Nahrung (Werbung will ich nicht machen) die bei Expeditionen zum Einsatz kommt im Gepäck und muss sagen, es schmeckt tatsächlich nicht schlecht.
Georg, der große Weinliebhaber –und Kenner „muss noch was trinken“, und wir fahren zu einem Winzer, wo wir uns in dessen „Lokal“, siehe Foto, eine Flasche Auslese, die recht schwer war gönnen und noch eine weitere Flasche mitnehmen, die wir am Grillplatz trinken. Ich vertrage das nicht besonders gut, weil ich dem Alkohol schon vor über 30 Jahren fast abgeschworen habe.
Km 90,63

4.Tag 07.06.2010
…schon früh geht´s los, wir hatten ja vor Zell schon auf die linke Moselseite gewechselt und fahren schön durch die Weinberge bis Traben-Trarbach, wo gleich am Ortseingang ein Lidl ist und ich „legales Doping“, sprich Energieriegel und Powerdrink einkaufe.
Gleich am Eingang ist ein Bäcker, wo wir ein kleines Frühstück einnehmen. Unterwegs treffen wir immer wieder –so wie das bei solchen Touren üblich ist- ein nettes Paar aus LEV, er mit Liegerad, sie mit Trike, auch mittags in Bernkastel-Kues, wo ja immer der Teufel los ist. Auf dem Parkplatz, den man automatisch befahren muss, stehen zahlreiche Imbißbuden und wir gesellen uns zu dem auch anwesenden Paar aus LEV und essen etwas. Weiter geht´s moselaufwärts zu CP nach Neumagen-Drohn, wo auch das „Römerschiff“ vor Anker liegt.
Auch das Paar trifft hier ein und baut wie wir gegen 15:00h auf. Während Georg seinen Mittagsschlaf hält, unterhalte ich mich sehr nett mit der jungen Frau.
Abends wollte Georg „kochen“, hat aber keine Lust und lädt im „Zum Anker“ zum Essen ein. Georg bestellt Hirschgulasch, ich esse nach Jahren mal wieder ein Jägerschnitzel, war lecker. Anschließend mussten es jedoch in der CP-Gastronomie noch 3 große Bier sein.
Km 76.01

5.Tag 08.06.2010
Als ich aufwache fühle ich mich wie gerädert, habe total schlecht geschlafen, weil ich nach der Unterhaltung gestern Abend nur darüber gegrübelt habe, ob ich mir vielleicht zu viel zugemutet habe und Georg evtl. „seine“ Tour kaputt mache. Georg möchte einen Schnitt von 17 km/h erreichen, was mich auf solchen Touren überhaupt nicht interessiert, ich will keine km schrubben sondern die Natur genießen, Land und Leute kennenlernen und schöne Fotos machen.
Aus diesen Gründen teile ich Georg mit, dass ich hier und heute aussteige, eine Pause einlege und alleine sehe was ich tue.
Er hat Verständnis, baut ab und fährt ab.
Daher sitze ich nun beim Frühstück im CP-Restaurant und komme dazu, aus der Erinnerung die Geschehnisse der letzten beiden Tage zu dokumentieren.
Ich hatte gegenüber Georg immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal wieder eine Pause brauchte und werde in Zukunft besser wieder alleine unterwegs sein, leider.
Damit ist der Versuch mit einem Reisepartner zu reisen nun zum 2. Mal gescheitert.

Nach dem Frühstück baue auch ich ganz in Ruhe ab, Uwe + Patricia, das Paar aus LEV sind schon fertig und reisen auch ab.
Bei mir wird es 10:30h, bis auch ich nun ganz unbekümmert in „meinem“ Tempo abfahre, vorbei an vielen von der „Saar-Mosel-Rhein-Tour 2008“ und „Moseltour-2005“ bekannten Orten und mache daher kaum Fotos. Um ca. 14:00h treffe ich in Pfalzel eine männliche Radlertruppe aus HH die bzgl. Radreisen viel fragen, wobei einer feststellt, dass mein HR platt ist. Es war ein Nagel in den ich gerade reingefahren sein muss. Den Herren aus HH fällt dazu nichts besseres ein, als mir einen Vortrag über „unplattbare Reifen“ aufzwingen zu müssen. Ich baue das Rad aus und muss feststellen, dass ich den falschen Ersatzlauch im Gepäck habe, flicke, aber die Luft hält nicht. Beim Eintauchen in die Mosel findet sich ein 2. Loch. Ein freundlicher Herr, der das Ganze aus seinem Haus beobachtet hatte, bringt mir eine Schüssel mit Wasser, aber ich kriege das Ding nicht dicht, zumal es inzwischen auch noch heftig regnet.
Über Handy mache ich einen Radladen ausfindig um per Taxi einen neuen Reifen dort montieren zu lassen. Kosten 74,00 €.
Um 18:00h erreiche ich den mir bekannten CP-Treviris in Trier, der noch immer von der unfreundlichen dicken Frau geführt wird, baue auf, „koche“ ein Gericht aus der Tüte und einen Cappu. Danach fängt es aber auch richtig an zu schütten.
nur km 47,5

6.Tag 09.06.2010
Es hat die ganze Nacht wie aus Eimern geregnet, doch heute früh sieht es etwas besser aus und ich nehme das vorbestellte teure Frühstück -das noch genauso aussieht wie vor 2 Jahren- ein. In der Zwischenzeit ist das Zelt etwas abgetrocknet, abgebaut und um 10:00h geht´s los. Noch vor der Einreise nach Luxemburg wechsle ich auf die schöner zu fahrende rechte, deutsche Moselseite, decke mich in Nittel mit frischem „Baren“ ein und mir begegnen die ersten Vorboten Frankreichs in Form von etlichen Statuen franz. Künstler.
Ich fahre den CP gegenüber Remich an, wo ich auf meiner „Saar-Mosel-Rhein-Tour“ Station gemacht hatte und gönne mir einen Kaffee. In Remich liegt wie sehr häufig die „Princess Marie Astrid“ vor Anker, an Bord dieses Schiffes wurde am 14.06.1985 das „Schengener Abkommen“ der führenden europäischen Staaten getroffen.
Ich lasse Schengen rechts liegen und reise bei Apach auf dem „Chemin de la Moselle“ in Frankreich ein. Hier kommt mir ein Schweizer aus Genf, unterwegs mit Rennrad + Extrawheel mit Ziel Amsterdam entgegen und tauschen ein paar Erfahrungen aus, „bon route“ und weiter geht´s durch die schöne Natur, denn hier in „F“ wird das ganze gleich ursprünglicher, urwüchsiger, natürlicher, man könnte auch sagen französisch eben. Nach längerer Zeit sehe ich sogar wieder mal Libellen.
Nach etlichen km lächelt mich auf der anderen Seite ein schöner CP an und ich denke nur schade, aber ca. 20 min. später kann ich über eine Brücke wechseln, nein ich muss sogar. Ich fahre also den CP in Malling an, der Betreiber sitzt „Cowboylike“, also mit Stiefeln auf dem Schreibtisch in seinem eher alpenmäßig anmutenden Receptionshäuschen und spricht gut deutsch. Für 6,75 € checke ich ein und finde einen schönen Platz neben einem in Bingen/Rhein geborenen Franzosen aus einem Vorort von Paris, der sehr nett ist, Freimaurer und Besitzer einer schönen BMW mit Beiwagen aus den 60ern fährt und seine Geburtsstadt und eine Freundin in Arnsberg besuchen möchte. Nach dem Aufbau bereite ich mir ein leckeres Essen -Ravioli aus der Dose-, einen Cappu, „unterhalte“ mich mit Händen und Füßen mit Jean-Fancois und freue mich des Lebens. Hier sieht man auch schön den -wie Georg sagte- dekadenten Hocker, den ich wegen meiner alten Knochen mitschleppe, er ist aber recht leicht.
Heute nur gemütliche
Km 68,51

7.Tag, 10.06.2010
Kurz nachdem ich gestern Abend meine Notizen gemacht hatte, fing es wieder kräftig zu regnen an und tut es noch, daher ist heute Ruhetag angesagt.
Ich fahre zwar auch -gerne sogar- bei Regen, habe aber absolut keinen Bock, total nass einzupacken.
Der CP ist zwar super, hat jedoch leider keinen Kiosk, nur ein so genanntes „Restaurant“. Auch in Malling kann man nach Info des Betreibers nichts einkaufen,
nur in Königsmacher. Dorthin zu fahren lohnt nicht, schließlich bin ich ja autark und habe alles dabei, sogar Wasser, wie die Holländer.
In den Sanitäranlagen wundere ich mich nicht, denn da waren sie, die typischen franz. Toiletten, wo man sein Geschäft in der Hocke erledigt und aufpassen muss, dass man das recht kleine Loch trifft und sich dabei nicht über die Füße pinkelt.
Es ist etwas langweilig, daher gehe ich mit Jean-Francois zu der franz. Fam. Müller -Herr Müller ist hier so etwas wie der Lakai-, wo ich Gelegenheit habe ins Internet zu gehen.
Zu Essen gibt´s heute Mittag „Makkaroni mit Emmentaler“ von „Knorr“, gut, Abends Expeditionsnahrung „Boeuf Stroganoff“. Beim üblichen Cappu hoffe ich, dass es morgen trocken ist.
Schei.e, es ist 19:45h gerade hab ich meine Notizen gemacht….und es fängt zu regnen an.
Km 0,00

8.Tag, 11.06.2010
Es ist nicht zu fassen, von der Sonne werde ich geweckt, super. Jean-Francois und der gestern Abend noch angekommene Schwabe packen schon ein, ich bereite mir noch einen Cappu und verabschiede mich von Jean-Francois, der sich auf die Reise begibt.
Ich bezahle noch schnell für die letzte Nacht und ab geht die Post.
Bis Thionville läuft alles gut, dann kommen viele z.T. schlecht beschilderte Umleitungen die tierisch nerven. Als ich glaubte endlich wieder in der Spur zu sein, kommt mir eine Frau auf MTB entgegen und bedeutet mir, dass bald das Ende des Radweges wegen Bauarbeiten an der Moselle kommt, hier wird alles kanalisiert.
Sie malt mir zwar eine Skizze, stellt aber bald fest, dass ich wohl nichts verstehe, fährt voraus und zeigt mir den richtigen Weg, Danke an die nette Dame aus Ockange.
Heute läuft es recht gut bei mir, nur mit den Radwegen ist das jetzt so ziemlich vorbei, so genannte Departementstrassen sind von kurzen, oft wegen der hohen Bordsteine nicht fahrbaren Radwegstückchen angesagt. Am Ortsausgang von Mondelange kaufe ich noch schnell bei Lidl Käse, Tomaten, Kirschen und Getränke ein -Baguette gibt’s nur beim Bäcker- und fahre weiter nach Metz.
Auf dem Place Jeanne D`Arc trinke ich einen Kaffe und genieße die typisch französische Atmosphäre. Von und in der Kirche am Place Jeanne D`Arc, wo laut Auskunft eines Herrn der Bischof gleich eine Messe für die jüdische Gemeinde hält, mache ich noch Fotos und fahre weiter zur Kathedrale von Metz, wo ich Anfang der 60er mit meiner 1. Frau, -zu der Zeit noch Freundin- schon einmal war nicht nur um das Rosettenfenster zu fotografieren. Leider können oder wollen die Metzer nicht sagen, wie ich aus Metz wieder herauskomme, es ist immer das Gleiche, in eine Stadt zu fahren ist einfach, raus mitunter problematisch.
So aber komme ich auf meiner Irrfahrt noch am Centre Pompidou vorbei und finde schließlich einen netten Busfahrer, der mir den Weg –ich war auf dem richtigen- zeigt, einfach weiter geradeaus.
CP´s jedoch sind hier in der Gegend Mangelware, ich habe die Nase voll und fahre in einen Feldweg südlich von „Blénod-lès-Pont-à-Mousson“ und finde ein richtig lauschiges Plätzchen direkt an einem kristallklaren Bach. Ja man muss auch mal Glück haben, in dem Bach nehme ich im Restlicht noch ein Bad und esse die bei Lidl eingekauften Sachen. Spannend, denn das ist meine erste Wild-Camp-Nacht.
Im Schein meiner Taschenlampe mache ich noch meine Notizen und schlafe herrlich. Fotos konnte ich heute von diesem Platz nicht machen, ich wollte ja nicht auffallen.
Km 105,04

9.Tag, 12.06.2010
Nach einer richtig guten Nacht an diesem wunderschönen Platz, ich bin früh wach, nehme ich noch ein kurzes Bad in „meinem“ Bach, trinke einen Cappu und packe zusammen. Mit einem freundlichen „Bon Jour“ eines Anglers düse ich also um 07:30h los. Heftiger Wind bläst mir auch heute entgegen und es will nicht so richtig laufen. In einer Bar trinke ich einen Cafe au Lait únd studiere die Karte, die mir der Betreiber des CP Malling gegeben hatte. Gut, dass hierzulande die Bars schon so zeitig geöffnet haben, da spielen die Leute schon früh Lotto oder sonstwas, keine Ahnung.
Nach dem gestrigen Tag macht sich mein Hintern bemerkbar und ich muss mich heute richtig quälen, aber es soll schlimmer kommen. So rolle ich in Nancy ein und schaue mich etwas um, ein im Park sitzender Typ gibt vor Deutscher zu sein, ist jedoch wohl obdachloser Pole der nur eines will, Geld.
Laut Routenbeschreibung von bikedoll.de muss ich um an die Meuse -sorry, aber die Maas heißt hier und in Belgien so- zu kommen nach Villers-lès-Nancy und eine Wasserscheide mit ca. 350 hm auf kurzer Distanz überwinden. Nun bin ich ja alles andere als eine Bergziege, aber was soll´s, mir kam es vor wie der Tourmalet bei der Tour de France, aber mit „Schiebung“ hab ich´s auch wenn es gedauert hat geschafft. Danach folgte eine rasende Abfahrt nach Maron, bei 51 km/h hab ich angefangen zu bremsen, mit Anhänger war mir schneller zu gefährlich auch wenn er schön hinterher lief. In Maron sollte mich ein sehr schöner Radweg erwarten, ich Trottel hab ihn jedoch nicht gleich gefunden sondern befuhr zunächst einen Weg mit einem Schlagloch neben –und hintereinander. Mit einem deutlich hörbaren „Knack“ und dem nachfolgend typischen Geräusch war eine Speiche weg.
Danach fand ich dann den wirklich schönen Radweg und fuhr gegen 18:00h den CP in Villey-les-Sec an.
Weil ich morgen Sonntag nichts repariert kriege, werde ich einen Ruhetag einlegen, ich hab es mir verdient.
Geschmeidige km 63,96

10.Tag, 13.06.2010
Nun sitze ich hier am Sonntag auf dem CP Villey-les-Sec der die Note „unfreundlichstes Personal“ bekommt wenngleich er sehr schön ist, bei 24,5° dumm rum, in der Mosel badet einer seit Stunden einen ca. 15 cm langen toten Fisch an seiner Angel, ähnlich wie mein Gegenüber am Place Jeanne D´Arc in Metz seinen Teebeutel und ich komme mir vor wie in der Wildnis.
Keine Zeitung, kein Buch, kein Kiosk, kein Handyempfang, null, nix, von wegen „wohin sie auch reisen, BILD ist schon da“, nada. Ich weiß nicht mal ob für uns die WM schon begonnen hat. Selbst der Cappu ist alle, dafür gibt´s ab und zu einen Kaffee türkisch.
Da ich ja autark bin, gab es heute Mittag „Fussili a la Napolitana“ von „Mamma Gina“.
In einem Hand und Fuß Gespräch mit einem gegenüberliegenden älteren franz. Dauercamper gibt mir dieser zu verstehen, dass er mich mit meinem ausgebauten HR zur Reparatur nach Toul fährt und „D“ heute Abend gegen Australien spielt, der hat ne Zeitung, die ich aber nicht lesen kann.
Der Platz hier ist stark frequentiert von durchreisenden Holländern mit Wohnwagen, Zelten, Wohnmobilen die immer alles mitführen, sogar ihr Trinkwasser und bestellen auch für den nächsten Tag weder Baguette oder Croissants.
Ich war gerade in dem kleinen zum Restaurant gehörenden Shop, als zwei junge 18 und 19 jährige Engländer mit RR ankamen. Richtig nette ordentliche Jungs die neben mir ihr Zelt aufschlugen. Mathew fuhr ein vom Onkel geliehenes, 40 Jahre altes „Holtsworth“, Martin hatte sich bei ebay ein RR ersteigert. Die beiden kamen aus London und waren auf dem Weg nach Venedig, ihr gesamtes Hab und Gut hatten sie mangels Fahrradtaschen in gelben Plastiksäcken verstaut, lustig, denn so würde von uns so schnell keiner losfahren. Aber es ist lt. Einem GB-Eintrag auf meiner HP alles gut gegangen.
Nach dem Essen, bei mir gab´s Expeditionsnahrung „Zigeunertopf“ Martin kochte mit seiner Kocher Höllenmaschine Cous Cous mit Rührei, der konnte das, super. Anschließend verbrachten wir einen gemütlichen Abend im CP-Restaurant und konnten das 4:0 Deutschland./.Australien sehen.
Dabei gab´s einen Pastis/Cola.
Zurück am Platz, da waren 2 ältere Ehepaare mit Rädern aus Holland angekommen, gut ausgerüstet, Kompliment, stramme Leistung.
Was für´n Quatsch, bin doch selbst ein alter Sack.
Km 0,00

11.Tag, 14.06.2010
Um 06:30h bin ich schon munter und stelle fest, ich hätte trocken abbauen können.
Martin und Mathew bauen ab, packen ihre 7 Sachen wieder in die gelben Säcke und fahren gen Venice.
Die Betreiberin des Platzes, die einzige Person mit der ich mich auf englisch verständigen kann und mein Problem kennt, kommt erst um 10:00h, nein, man sieht das hier ganz locker und kommt 15 min. später, um nach weiteren 15 min. Suche eine Nummer wählt und mir erklärt: „no one there, but that is usual in France, may be by 2 o´clock”.
Somit sitze ich hier nutzlos wegen einer gebrochenen Speiche den 2. Tag im „Mutterland des Radsports“ ? rum und langweile mich, nur gelegentlich gibt´s nen „Kaffee türkisch“ und zu Essen „Penne mit Broccoli“.
Der nette franz. Dauercamper von gegenüber ist ob der Betreiberin leicht genervt und meint gegen 14:00h nach Toul zur Reparatur zu fahren.
Toul als Stadt macht auf mich einen guten Eindruck, ändert aber nichts an der Tatsache, dass die 3 in Frage kommenden Radläden dicht sind, eben die Friseure Frankreichs.
Man redet immer über die deutsch-französische Freundschaft, mit Ausnahme des Dauercampers von geg. habe ich allerdings eher den Eindruck, „die mögen uns nicht“, auch wenn der morgen nicht kann.
Es ist saukalt geworden in Frankreich, die Temperaturen liegen um 16° und es hat begonnen zu regnen und so vertrödel ich die Zeit unter einem Unterstand auf dem CP, denn meine Überlegungen ohne die Speiche los zu düsen laufen ins leere, mit dem Gewicht evtl. problematisch.
Bei einem kleinen Spaziergang über den Platz sehe ich bei einem Holländer ein Fahrrad mit ausgebautem HR ohne Mantel und klopfe sogleich an, erkläre mein Problem und sie bieten sich an, mich morgen mitzunehmen nach Toul.
Km 0,00

12.Tag, 15.06.2010

Gegen 08:30h fahre ich mit dem holländischen Ehepaar nach Toul, die Reparatur dauert nicht einmal ½ Stunde und für 13,00 € ist der Drops gelutscht.
Zurück auf dem CP baue ich erst mal mein Bike zusammen, dann ab, zahle und düse los.
Jetzt muss ich leider feststellen, dass die Herrlichkeit mit Radwegen zunächst einmal komplett vorbei ist und ich mich auf der Departementstraße D964 weiter fortbewegen muss. Dabei überquert man immer wieder diverse Wasserstraßen, wie z.B. den „Canal Marne au Rhin“, den „Canal de l`est“ und natürlich die Meuse, auch wenn diese nur gelegentlich noch klein aus der Ferne zu sehen ist. Ein Radweg entlang der Meuse wäre zu schön und sicher auch für den Tourismus einträglich. Aber was soll´s, ich werde weiterhin bei heftigem Gegenwind und der Befürchtung von einem der zahlreichen, in geringem Abstand vorbeirasenden LKW von der Straße gefegt zu werden immer weiter kurbeln.
Aber heute habe ich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, erstmal nichts gegessen, jetzt weiß ich auch was ein „Hungerast“ ist.
Da ich fast immer in Radlerkleidung fahre, den „Harten“ raushängen lassen und „in kurz“ -obwohl ich „lang“ dabei habe- gefahren bin und nach einer strammen Steigung trotz der nur 16° verschwitzt, vor der Abfahrt –ich hasse Abfahrten, weil´s danach garantiert wieder hoch geht- keine Jacke angezogen und mir prompt eine Erkältung zugezogen habe.
Auch nach intensiver Suche finde ich keinen Platz zum wildcampen und versuche daher in „Sampigny“ ein Chambre des Hostel“ das sind Privatzimmer denke ich zu nehmen, die Hotels sofern vorhanden sind meist nur noch verkommene Ruinen.
Ich folge dem Schild, finde aber nichts, am Ende der Straße geht es an anderer Stelle wieder hoch zur Hauptstraße, auch nichts, nur ein Mann der im Fenster liegt, ich frage und er zeigt auf ein Tor gegenüber aber mein klingeln wird nicht erhört. So versuche ich es noch einmal von der anderen Seite, ein ca. 10 jähriges Mädchen öffnet und auf meine Frage kommt von hinten eine ältere weibliche Stimme mit einem unüberhörbaren „No“. Danach kam ein Mann, vermutlich der Vater, sagt „oui“ und lässt mich mein Gefährt durch die drei Türen zum Hof, der nicht einladend wirkt bugsieren, weil er nicht bereit ist, den jeweils 2. Türflügel zu öffnen.
Das Zimmer im ersten Stock ist sauber und typisch franz. Eingerichtet, man ist jedoch nicht sonderlich auf Gäste eingerichtet, denn überall im aus liegt Spielzeug rum, sogar ganze Spielwiesen, naja die lieben ihre Kinder.
Ich bin nur froh, dass ich mit meinem nun einsetzenden Schüttelfrost in einem Bett liege, mein Akku ist schlicht und ergreifend leer.
Km 59,73

13.Tag, 16.06.2010

Das so genannte „petit déjeuner“ sprich Frühstück war in etwa wie der Rest des Hauses, bunt durcheinander gewürfelt, antik, modern, von Allem halt etwas. Die 3 Marmeladengläser ziemlich unansehnlich, der Kaffee OK, das Baguette dafür etwas adelig, „von gestern“ also.
Immerhin jedoch hat mein Besuch etwas bewirkt, denn hinten im Garten waren eine ältere und eine jüngere Frau dabei aufzuräumen, den Katzenkot aus dem Spielsand zu harken usw. und so durfte ich im Gegensatz zu gestern Abend die gastliche Stätte auf dem Weg verlassen.
Ich weiß zwar nicht was ich verbrochen habe, aber der liebe Gott segnet mich auch heute wieder mit starkem Wind von vorn und den dazu passenden Anstiegen.
An dieser Stelle zum wiederholten mal mein herzlicher Dank an bikedoll.de für die wirklich sehr gute Routenbeschreibung ohne die ich vermutlich in Spanien oder sonstwo gelandet wäre. So befinde ich mich aber noch immer in der Kornkammer Frankreichs, denn wohin ich auch schaue, ich sehe nur Korn in allen Variationen.
Trotz der Erkältung und dem inzwischen noch hinzu gekommenen Fiebers überwinde ich heute gewaltige Anstiege, bekomme die ersten Vorboten der Ardennen zu sehen, muss aber bald Schluss machen, denn eine Frau die mich wohl an einer Steigung beobachtet hatte, parkte ihren PKW, kam angelaufen und fragte ob ich OK bin, eine Frau die sich um mich sorgt? Das kenn ich ja schon lange nicht mehr, und dann noch eine fremde Frau? Aber wie man sieht, es geschehen noch Zeichen und Wunder.
Ich war OK, fuhr aber dennoch den schönen CP „Les Breuils“ in Verdun an.
Km 50,51

Hallo liebe Leser meines Reiseberichts,
wenn ich mir selbst mein „Geschreibsel“ noch einmal durchlese, fällt mir auf, dass es für mich, einem der zu Hause mindestens jeden 2. Tag für sich alleine frisch kocht schon erstaunlich ist, was man nur um autark zu sein so alles in sich hinein stopft, nur um etwas gegessen zu haben und am Ende sogar satt zu sein.
Das ganze beginnt morgens mit einem Power Riegel, einer Banane und einem Cappu, der Rest kommt dann später.
Normalerweise würde ich diese dehydrierten Sachen sicherlich als „Fraß“ bezeichnen, aber sei´s drum, ich hab´s ja überlebt.
Ich hoffe Ihr habt ein wenig Freude beim Lesen.

14.Tag, 17.06.2010

Der CP „Les Breuils“ in Verdun kann sich sehen lassen, mit einem schönen See, einem gepflegten Schwimmbad und Sanitäranlagen.
Nach einer trockenen Nacht fing es pünktlich um 06:30h an zu tröpfeln, welches sich alsbald in einen gepflegten Landregen verwandelte.
Mir passte das ganz gut als Entschuldigung für mich, -wer hätte auch sonst eine schreiben sollen- denn die fiebrige Erkältung verlangte ihren Tribut und so lege ich einen kombinierten Ruhe- und Waschtag ein.
Jetzt hab ich es bis hierher geschafft, ob ich den Rest überlebe bleibt ungewiss.
Das Wetter kann man bisher als durchwachsen bezeichnen, tagsüber quäle ich mich bei Temperaturen bis 37,7° die Berge –sorry, manch anderer wird von langgezogenen Anstiegen sprechen- hoch, abends und nachts ist es teilweise empfindlich kalt. Kontinuität gab´s nur beim Wind, der kam grundsätzlich von vorn, das nervt nicht nur tierisch sondern deprimiert, mich zumindest.
Schön ist es, dass ich als Fußballfan –der während der Fußball-WM auf Tour ist???- die Spiele aber trotzdem immer wieder im TV verfolgen kann, was hab ich auch sonst anderes zu tun?
Beim Spiel Argentinien ./. Südkorea treffe ich den Radler Eric aus London der nach Wien unterwegs ist und unterhalte mich bestens, im Anschluss folgt noch das 2:1 zwischen Griechenland und Nigeria.
Mein BC den ich immer dabei habe zeigt 15,9° und ich sitze wieder auf der zugigen Terrasse um zu essen und mir das Aus von Domeneq anzusehen, denn die Franzosen verlieren 2:1 gegen Mexico.
Dabei gönne ich mir heute hier im Restaurant für nur 10,80 € ein Bavette mit Pommes und Salat.
Bei Bavette handelt es sich um ein perfekt auf Holzkohle gegrillten Steakfleisch, einfach köstlich, allein der Gedanke daran lässt mir das Wasser unter der Brücke zusammenlaufen. (…das Foto stammt aus Google/Bilder, nicht von mir)
Km 0,00

15.Tag, 18.06.2010
Ein sonniger, wenn auch kalter Tag heute, ich gehe zum Restaurant um einen Cafe´au Lait nebst Croissant zu schlürfen und Eric der heute abreist zu verabschieden, ein Foto und tschüss.
Ansonsten, bevor ich es vergesse ist die Reiserei hier in Frankreich eine ziemlich einsame Veranstaltung, denn unterwegs habe ich weder Reiseradler überholt, noch bin ich lahme Ente überholt worden und entgegen kam mir auch keiner, so in etwa stell ich mir das in der Wüste vor.
Ich lege einen weiteren Ruhetag ein, denn heute spielt um 13:30h die DFB-Elf gegen Serbien, das muss ich sehen.
Nun hab ich gerade das Debakel unserer Elf gesehen, der Schiri hatte wohl neue Karten und wollte das auch zeigen.
Am Nachmittag wurde zwar etwas wärmer und während andere es sich in ihren Behausungen gemütlich machten, sehe ich mir noch den 2:0 Grottenkick der Engländer gegen Algerien bei 16° auf der Terrasse an.

Km 0,00

16.Tag, 19.06.2010
08:00h, alles ist gepackt und nach einem letzten Cafe´au Lait geht´s los.
Den Weg muss ich eigentlich nicht mehr suchen, Zeigefinger nass, hoch und da woher der Wind kommt bin ich garantiert in der richtigen Spur.
Die Touristen Info in Verdun hat auch keine Karten für mich, nur jede Menge Info´s was 14-18 betrifft, da machen die aber auch einen Kult drum, man könnte meinen, -so traurig das alles ist-, die Leute hier sind ganz froh darüber denn schließlich leben alle davon. Gestern war wohl auch noch ein besonderer Tag von
Charles de Gaulle, denn überall waren Huldigungen über ihn zu hören.
Es ist saukalt, mein BC zeigt 10,1° -ich fahre inzwischen „in lang“- wozu sonst hätte ich sonst sowohl lange Hose, Hemd, Fleece-Pulli und Jogginghose mitschleifen sollen? Jetzt würde ich gerne mal einem Lächler bezüglich meiner Ausrüstung begegnen, ha, ha.
Aber genau diese Kälte und Anstiege mit bis zu 9% -wo schon Kriechspuren für LKW vorhanden sind- und den darauffolgenden höllischen Abfahrten sind die Kriterien die mich fertig machen, außerdem sitzt mir diese fiebrige Erkältung noch immer gewaltig in den Knochen.
Hinzu kommt natürlich auch, das kann und will ich nicht verschweigen, die Psyche, denn ich bin ganz ehrlich und gebe offen zu, sobald auf meinem BC die Geschwindigkeit auf einstellige Werte absackt deprimiert mich das, daher habe ich seit kurzem ein Stück Klebeband locker am Rahmen kleben, womit ich das Display des BC bei Bedarf abklebe.
Daher ist, nachdem mir eine äußerst nette franz. Friseurin in Ihrem Salon den Bart für 0,00 € mit der Bemerkung für 2 min. nehme ich kein Geld gestutzt hatte heute schon nach 34,68 km das Ende der Fahnenstange erreicht.
Aus diesem Grund nehme mir ein „Chambre des Hostel“ für 31,00 € mit Frühstück bei Mr et Mme Michel Bare´ in Liny-devant-Dun.
Ich denke spätestens dann, wenn man das Gefühl hat, sein Bike nicht mehr zu 100% unter Kontrolle zu haben und auch ohne Fremdeinwirkung umfallen könnte, sollte man das einsehen und Schluss machen.
Ich weiß nicht mehr genau wer, aber ich glaube es war Paule, der mich vor den „Gefahren“ der Ardennen gewarnt hat, eben weil ich weiß Gott keine Bergziege bin.
Im TV läuft gerade die Übertragung der „Tour de France“, die Fahrer erklimmen gerade den „Tourmalet“, ich hatte „meinen“ Tourmalet heute.
„Paris-Roubaix“ und „Lüttich–Bastogne–Lüttich“ kommen noch.
Km 34,68

17.Tag, 20.06.2010
09:00h gut gefrühstückt soll es weiter gehen, doch pünktlich zur Abfahrt, ich sitze bereits im Sattel, fängt es bei nur 10° derart zu regnen an, so als ob jemand die Schleusen geöffnet hat, was mich dazu bewegt um eine Nacht zu verlängern.
Die Erkältung läßt mich viel schlafen, mittags esse ich den Rest Käse und Baguette, abends gibt´s Ungarisches Goulasch aus der Tüte und nen inzwischen wieder eingekauften Cappu.
Seltsamerweise litt ich auch die letzten Tage an extremer Appetitlosigkeit die sich zu normalisieren scheint.
Km 0,00

18.Tag, 21.06.2010
Um 08:20h geht´s nach dem „petit déjeuner“ aber nun endlich weiter, die zwei Tage im Bett haben mir bestimmt gut getan.
Heute ist es zwar wieder 10° kalt, aber trocken und ich bin ja warm angezogen, über das was beim husten und schnupfen noch rauskommt kann sich sicher jeder vorstellen und das möchte ich hier auch nicht näher erläutern.
Gegen Mittag erreiche ich die Grenze -siehe Grenzstein- zwischen dem Departement „Meuse“ und „Ardennen“. Da ich mich bekanntlich mangels Karte im „Blindflug“ befinde, bin ich nach Auskunft eines LKW-Fahrers im Bereich „Champagne-Ardenne“.
Die Steigungen machen mir, wie auch die dicht an mir vorbeirasenden LKW´s schwer zu schaffen, das beklagen auch 4 Kanadier die sich auf dem Weg nach Paris befinden und gerade ein Hotel verlassen welches sich geg. Aldi befindet, wo ich einkaufen will .
Wow, die ersten Reiseradler in „F“ in „freier Wildbahn“.
Ich bin noch immer auf der „D964“ unterwegs in Richtung Sedan und passiere Douzy, wo ich auf einer Kirchturmspitze ein bewohntes Storchennest sehe, das muss ich doch fotografieren.
Hier gibt es sogar einen ca. 500m langen Radweg der allerdings zum ko..en ist.
In einer Apotheke löse ich noch ein deutsches Privatrezept ein -kostet hier 13,50 €-, nehme noch 20 Aspirin Plus C und eine einfache Nagelfeile mit und zahle für alles zusammen 7,03 €, also was im Ausland alles so geht, unfassbar.
Nach weiteren knackigen aber machbaren Anstiegen erreiche ich Sedan, eine schöne Stadt die entgegen meinen Erwartungen direkt an der Meuse liegt.
Der CP liegt direkt am Hafen, wo mir an dem Receptionshäuschen welch Wunder schon wieder ein älterer Reiseradler mit RR aus der Schweiz entgegenkommt. Er komme gerade aus Charleville-Mézières und dorthin könne ich es noch locker schaffen.
Aber ich bin -auch wegen der Etappenpläne von bikedoll.de- auf Sedan eingestellt und checke hier ein, morgen soll auch noch ein Tag sein hab ich jedenfalls gehört und baue auf.
Sogar Hoeneß Nürnberger gibt´s hier bei Aldi.
Km 56,05

19.Tag, 22.06.2010
Es ist nicht zu fassen, die Sonne küsst mich wach, es ist 06:30h, doch bis ich es begriffen und meinen ersten Cappu und Energie-Riegel verputzt habe, ist schon 1 Std. vergangen. Jetzt aber flugs einpacken, ein kurzes tschüss dem Schweizer, der es immer noch nicht fassen kann, dass ich ohne Karte und sonstige Krücken unterwegs bin. Fakt ist, solange man weiß, welche Städte an einem Fluss liegen, kann nicht allzu viel schief gehen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Leute die GPS-Geräte brauchen, weil sie sonst den HBF ihrer Heimatstadt nicht mehr finden. Ich möchte aber klarstellen, dass ich nicht rückständig bin und diese Geräte nicht in Zweifel ziehe, mir sogar selbst irgendwann eins zulegen werde, aber erst dann, wenn die Software den Geräten ebenbürtig ist, das ist nach meinen Befragungen von Besitzern noch nicht gegeben.
Somit befahre ich ab jetzt nach einem kurzen Abstecher auf eine Autobahn die „D764“ in Richtung Charleville-Mézières denn ab dort soll es einen guten Radweg geben, den ich aber nicht finde, bis mir ein freundlicher Rennradfahrer -die Jungs kennen sich im Allgemeinen gut aus- den Weg dorthin zeigt indem er vorausfährt, daher an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank, auch wenn er es vermutlich nicht lesen wird. Es gibt sie also doch auch, äußerst nette, hilfsbereite Franzosen, oder hatte er Mitleid für einen älteren Radler wie mich?
Dort angekommen traue ich meinen Augen nicht, oh my god, ich komme mir nach den Erfahrungen der letzten Tage vor wie im Biker- Wunderland, sie können es also doch die Franzosen, tolle Radwege dazu noch mit einer vorbildlichen Beschilderung, sogar mit Mittelstreifen bauen, einfach toll. Beeindruckend vor Allem der Tunnel, wo auch die Schiffe durchfahren.
Da fährt es sich doch gleich gaanz anders, wenn da nur der linke Fuß nicht wäre, der mit jedem Tritt tierisch weh tut. Da hilft nur eins, nachsehen um festzustellen, dass sich der Nagel immer weiter ins Nagelbett gräbt. Nun gibt es hier auf der Strecke keinen Arzt oder Fußpfleger, daher gibt´s nur eins, „selbst ist der Mann“. Das einzige Utensil das zur Behebung in Frage kommen könnte ist eine kleine Schere, also Zähne aufeinander gebissen und den Übeltäter entfernt, tat höllisch weh und hat geblutet wie Sau, aber wie meine Oma schon sagte: „Läppken drum, dat heilt wieder“, sie hatte recht, OP gelungen, Patient lebt noch.
Heute bin ich mal wieder richtig stolz auf mich, daher ist nach Überwindung von 750 hm in Haybes Schluss, fahre den CP an, baue auf und belohne mich im besten -ich glaube auch einzigen Hotel am Platz- mit einem leckeren Essen im Hotel St. Hubert und kann dabei noch Fußball gucken.
Km 88,74

20.Tag, 23.06.2010
Zum wiederholten mal trödel ich rum und fahre erst um 09:20h los. In dem schönen Städtchen Givet unweit der Grenze zu Belgien endet der schöne Radweg und ich lasse mich zu einem leckeren Cafe´au Lait verführen.
Bei Hastiere´ überquere ich die Grenze nach Belgien, dass ich mich jetzt in Belgien befinde, hätte keiner Beschilderung bedurft, denn es folgte eine Pommes Bude nach der anderen. Man könnte glauben die Belgier essen nichts anderes und/oder leben nur davon, mir jedenfalls war der Zeitpunkt für Pommes nicht angenehm, evtl. später, daraus, ich kann es vorweg nehmen wurde aber nichts, denn weiter im Landesinneren war die Häufigkeit der Pommes-Buden nicht mehr gegeben.
Ich fahre auf einer Landstraße entlang der Meuse, vorbei am Chateau Freyr -wo ich mir einen Power-Riegel und eine Banane reinstopfe- und gigantisch anmutenden und beeindruckenden Felswänden nach Dinant, wo ich durch den schmalen Spalt zwischen Felswand und der Felsennadel von Dinant fahre, toll.
Auf meinem weiteren Weg Richtung Namur stehen plötzlich am Straßenrand mehrere Verkaufsstände mit gut aussehenden Erdbeeren, na das ist doch mal was, nach Power-Riegeln, Power-Drinks und „Trockenfutter“.
Also gönne ich mir eine Schale und kann Euch sagen, ich hab in meinem langen Leben schon verdammt viele Erdbeeren gegessen, so leckere aber noch nie.
Hier in Wépion gibt es sogar ein Erdbeermuseum, das „Musée de la Fraise“.
Schließlich gelange ich auf einem zum Teil grausamen Radweg, der sogar ohne Vorwarnung plötzlich endet, -so dass ich mein Gefährt auf provisorisch auf den beiden Treppen liegenden Brettern hochschieben muss- nach Namur.
Ich bin hundemüde und brauche ein Bett, daher fahre ich die Tourist-Info an, die gerade dabei ist zu schließen. Trotzdem ist man noch bemüht mir behilflich zu sein, führt einige Telefonate bezgl. eines „Chambre des Hostal“ ohne Erfolg und bietet mir letztlich ein Zimmer in einem einer Mission ähnlichen Gebäude an, welches ich mit 6 weiteren Personen teilen soll um dafür 20,00 € zu zahlen, was ich jedoch dankend ablehne.
Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als die noch verbleibenden 32 km nach Huy zu fahren.
Gesagt getan, und nach langem suchen und durchfragen finde ich den CP, der Betreiber,
M. Vassaux , der sich nach starkem klopfen am Fenster seines Mobilheimes sehen lässt, ist „not amused“ bezgl. meines doch ziemlich späten Erscheinens, deutet in eine Richtung und war verschwunden. Entweder hab ich ihn im Schlaf oder beim TV schauen gestört, keine Ahnung.
So baue ich also schon in der Dämmerung auf, „koche“ mir noch Käsespätzle von Knorr, kann um 23:10h essen und der obligatorische Cappu danach darf natürlich nicht fehlen.
Über die Sanitäranlagen sprechen wir morgen, nie zuvor erlebt.

Km116,68 …damit ist die 1000km Marke überschritten.

21.Tag, 24.06.2010

Nach dem Essen gestern Abend suche ich noch die Sanitäranlagen auf um zu duschen, doch beim Anblick stelle ich gleich Überlegungen an darauf zu verzichten, was mir aber wiederstrebt. Also lasse ich, da ich wohl der einzige Gast bin, auch wenn der Platz voll steht mit Mobilheimen und Wohnwagen, den Duschvorhang geöffnet und die Badelatschen lieber an. Auch die Befestigung des Duschkopfes hatte wie alles andere seine Besonderheit.
M.Vassaux war auch schon munter und bat zu den Formalitäten, auch wenn er nur 3,00 € verlangte, benötigte er doch auch meinen Pass.
Mein heutiges trödeln passiert mit Absicht, denn heute früh bin ich in einer Tropfsteinhöhle aufgewacht, weiß der Geier warum. So warte ich also bis die Sonne ihren Dienst verrichtet hat.
Der wie üblich am Ortseingang oder auch Ausgang liegende Lidl lässt mich Nachschub besorgen. Heute soll´s Rührei geben, ich kaufe zwar die Eier, aber Rührei gab´s nicht, die haben noch die Strecke nach Hause überlebt um dann im Müll zu landen weil sie gekocht seltsam aussahen, das hätte ich früher haben können oder?
Auf teils schlimmen Straßen und einem Radweg der wieder einmal plötzlich endete erreiche ich Lüttich, unterwegs halte ich einige schöne und seltene „Schätzchen“ , unter Anderem einen alten sehr gepflegten Scania im Bild fest und gönne mir einen Cafe´au Lait und ein Schoko-Croissant, lecker.
In einer Tanke kaufe ich mir noch eine Straßenkarte die ich aber auch hätte dort lassen können.
Hier ist die Meuse schon ziemlich verschandelt durch Industrieanlagen, was hier an Sand, Zement, Beton etc. umgeschlagen wird ist unvorstellbar, aus diesem Grund ist auch der so genannte Radweg hier so dass ich mir vorkomme wie bei „Paris-Roubaix“, durch das o.a. Material lauter Knubbel, dazwischen Sand, und schon liege ich auf der Fresse und hole mir am rechten Schienbein eine schöne Schürfwunde. Aber auch dieser Radweg endet urplötzlich ohne Vorwarnung. Das hatte einen Grund, ich fuhr nämlich nicht an der Meuse sondern am Albert-Kanal. Also zurück zur nächsten Schleuse Lanaye , und die Seite wechseln um an der Meuse aber bald Maas weiter zu fahren.
So erreiche ich gegen 18:00h Maastricht, dass ich mich in den Niederlanden befinde bedurfte keiner Beschilderung, denn an der Strasse gab es schon mehrere Etablissements wo die Damen leicht bekleidet im Schaufenster lagen, dort fahre ich vorbei, besuche die nächste Kneipe und trinke eine schöne kalte Apfelschorle bei 34°.
Der deutsch sprechende Wirt empfahl mir zur Übernachtung das günstige „Botel“, ein Boot also das Übernachtungen für 34 € anbietet.
Hier schlafe ich heute und sehe mir das Spiel Niederlande ./. Kamerun an.
Die Erkältung merke ich kaum noch, Fieber hab ich auch nicht mehr, vermutlich hab ich mir das Alles „rausgefahren“, mir geht´s wieder gut und es läuft alles leichter und besser, warum stellt sich erst zu Hause auf der Waage heraus. Gute 10 kg sind ne Menge Holz, außerdem habe ich den Rat eines erfahrenen Reiseradlers befolgt und einige Sachen eingepackt die Ich ohnehin entsorgen wollte und nachdem sie vollgeschwitzt waren einfach weg damit.
Km 80,18

22.Tag, 25.06.2010
Ein gutes Frühstück gab es auf dem Schiff, so verlasse ich gut gestärkt Maastricht das ja bekanntlich in den Niederlanden liegt in nördlicher Richtung und wundere mich, plötzlich wieder weiß-rote, also belgische Kennzeichen an den Autos zu sehen. Als erstes fiel es mir an einem schönen alten Citroen auf, das Auto ist Kult, nicht nur wegen des Status des Gangsterautos aus Filmen mit Jean Gabin (Maigret), Jean-Paul Belmondo und vielen anderen großartigen Filmhelden, teils noch aus den Zeiten wo alles nur in schwarz/weiß zu sehen war.
Das heißt, ich bin wieder in Belgien, da wollte ich aber nicht wieder hin verdammt nochmal.
Aber zurück ? …nein, irgendwann komme ich wieder nach Holland, egal wie. So fahre ich also immer der Nase nach und sehe viele nette Sachen, da liegt ganz alleine ein Ochse auf dem Radweg, eine Kuh versorgt ihr Kalb, die andere ist wie üblich voller Fliegen, und Kirschen satt, mmmhhhh lecker.
Plötzlich kommen mir 2 Radler auf Koga-Myata Rädern entgegen und hielten auf Handzeichen an, zu meinem Glück sprachen sie auch noch deutsch und meinten da hätte ich aber ein Problem, denn Holland liegt auf der anderen Seite der Maas.
Aber sagt der andere, nachdem er mir erzählt hatte, dass er nächste Woche per Rad seine Tochter in Hannover besuchen will, dass es da gar nicht weit, nur wenige km entfernt eine Fähre gibt, die sei aber kostenpflichtig.
Also geht´s weiter zu der Fähre, die gerade von Holland auf dem Weg zu mir ist, irgendwie erinnert mich das an die Fähre auf meiner Wien-Tour letztes Jahr nach Engelhartszell.
Nachdem die einzige Passagierin die Fähre verlassen hatte, ich nichts wie rauf und der Fährmann legt ab. Ich zücke also mein Portemonnaie, man könnte auch Geldbeutel sagen, aber der will gar kein Geld, liegt´s vielleicht daran, dass ich von Belgien nach Holland fahre? Ich werde es nie erfahren.
Zunächst fahre ich auf der Straße und sehe ein Pferdepaar mit ganz jungem Fohlen, im nächsten Ort den alten Verkaufswagen einer Metzgerei auf NSU-Quickly Basis, am Deich vorbei an diversen lebenden Rasenmähern zum Julianakanaal.
Dort fahre ich dann auf einem der schönsten Radwege viele viele km, hier nennt man das „gevaarlijk fietspad“ damit ihr euch ein Bild davon machen könnt, habe ich ein kurzes Video gemacht, ein kurzer Schlenker nach rechts und man liegt ca. 4m tiefer im Wasser, einfach toll. Letztlich lande ich in Maasbracht mit Hinweisschildern nach Roermond, als ich das lese, fällt mir sofort Udo ein, ein Kumpel aus alten Tagen -war sogar mal mein Chef-, hat der da nicht einen Wohnwagen auf dem CP stehen? Heute ist Freitag, der könnte da sein, also Handy raus und angerufen, er ist da, erklärt mir aber nur dass ich über eine Brücke fahren muss, kann mir aber nicht mehr den Platz nennen, denn die Verbindung reißt ab.
Bis Roermond sind es noch einige km, ich sehe noch einen alten, aber laut Besitzer fahrbereiten DKW Bj. 1936 noch mit Winker und natürlich mit Revolverschaltung, sehr schön und finde im 2. Versuch Udo, der sich richtig freut, mich nach einigen Monaten wiederzusehen. Er hat hier wie gesagt einen Wohnwagen und ein kleines Boot mit Kajüte, in der ich kommende Nacht schlafen kann, na ist das nichts?
Dan steht hier noch ein alter Hanomag-Trecker, sorry, aber ich habe ein Faible für solche Sachen, weil das bei mir Erinnerungen an meine Jugend weckt.
In der CP Kneipe geht´s hoch her, denn da läuft auf einer großen Leinwand, na was wohl, Fußball natürlich.
Wir gehen zu Udo essen, seine Frau hatte leckeren Kartoffelsalat und Frikadellen, anschl. Sehen wir uns das Spiel Spanien ./. Chile an und um 23.20h nach dem Duschen in meine Kajüte, herrlich.
Km 60,51

23.Tag, 26.06.2010
Nach einer guten Nacht weckt mich die Sonne mit ihrem strahlenden Lächeln, die Nacht in der Bootskoje war so gut, fast wie im heimischen Bett.
Meine 7 Sachen, mehr sind es ja heute wirklich nicht zusammen, denn um 09:00h gibt’s bei Udo Frühstück, schön mit perfekt gegarten Eiern und Allem was zu einem guten Frühstück eben gehört.
Mag sein, dass ich zu gut gefrühstückt habe, jedenfalls will es heute nicht so richtig laufen oder ich finde den richtigen Gang einfach nicht. So lasse ich also wieder einmal den „Botanikfreak“ raushängen und mache einige Fotos.
Auf den gut geführten -man muss nur die richtige Nummer kennen-, perfekten Radwegen in Holland rolle ich, vorbei an einem Kreisverkehr mit Drachen und einem Hinweisschild „Krefeld 39km“ von dem ich mich aber nicht verleiten lasse, sonst hätte ich eine schöne Begegnung verpasst. Venlo war wie immer total überlaufen, aber weiter geht´s Richtung Nijmegen.
Da liegt doch am Weg so eine Schonung, dazu muss man wissen, Schonungen zogen mich schon als Kind magisch an um mich zu erleichtern. Und wer da noch „Hakle feucht“ im Gepäck hat ist klar im Vorteil.
Ich kaufe unterwegs noch in einem Lidl u.a. Kirschen und etwas zu essen ein und wundere mich nicht schlecht, da haben nette Menschen doch vor 2 Jahren bereits einen Stuhl extra für mich, den „Jo Stuhl“ hin gebaut auf dem sich gut Kirschen essen lässt.
Und womit sich die Holländer so die Zeit vertreiben, „Buggy Rennen“ und Suzuki Ausflüge auf Radwegen unglaublich.
Weil´s heute nicht so richtig laufen will, und auch noch 32° warm ist, kommt mir der Hinweis zum „Vakantjepark Leukermeer“ äußerst gelegen, da fahre ich hin und gehe noch ein wenig schwimmen. Es ist zwar mit 15,00 € der bisher teuerste Platz, hat aber etwas zu bieten, sogar ein Hallenbad und Fußball schauen geht auch.
Heute Abend gibt´s „Thunfischsalat American“ von Lidl, schmeckt mir zumindest gut.
Km 63,69

24.Tag, 27.06.2010
Nach nunmehr über 3 Wochen ist heute der erste Tag an dem ich total trocken abbauen kann.
Auf den, ich muss es immer wieder betonen, guten Radwegen hier geht´s um 09:20h los, heute im Deutschland Trikot das ich vor ein paar Jahren bei einem von mir besuchten Spiel unserer Nationalelf, ich weiß aber nicht mehr gegen wen, in Mönchengladbach geschenkt bekam.
Eine Windmühle läuft mir hier im Land der Windmühlen in der Tat auch noch über den Weg, „Molenzicht“ heißt sie und sieht gut aus.
Ich bin also heute im WM-Fieber denn es geht gegen England. Unterwegs kam mir die Idee ein kleines Video von mir „on Tour“ zu machen, nicht wundern, mein Kopf ist nicht absichtlich „abgeschnitten“.
Als ich mich an einem Schilderwald zu orientieren versuche, hält neben mir ein Auto mit einem äußerst hilfsbereiten Mann der sich hier gut auskennt und mir eine tolle Routenbeschreibung gibt.
Ich folge also dieser Beschreibung und traue meinen Augen nicht, ich stehe plötzlich ohne Tohuwabohu mit Schildern etc. vor einem deutschen Gasthaus, wo ich mir von der etwas trotteligen Kellnerin einen Kaffee bringen lasse, na gut sie ist noch jung, das mit dem balancieren lernt sie noch. Es handelt sich aber nicht um das Gasthaus auf dem Foto, das vermutlich schon bessere Zeiten gesehen hat. Vielleicht hätte der Besitzer, ein gewisser Joh. Puff sich in einem anderen Gewerbe versuchen sollen.
So komme ich also nicht mehr nach Nijmegen, besuche aber noch das Schloss Moyland.
Weil das Spiel heute schon um 16:00h beginnt, muss ich mich sputen denn das muss ich als Fußball-Fan natürlich sehen. Eigentlich sollte man sich ja in diesem Fall nicht in der Weltgeschichte rumtreiben und anders planen, kann ich mir ja ohne Probleme leisten, aber ich habe trotzdem alle Spiele der WM die mich interessierten gesehen.
Nach der „französischen Eiszeit“ tue ich mich mit den 35° heute ziemlich schwer, hab ja auch schon einiges hinter mir und muss noch einen Fernseher finden.
Da kommt mir doch der Freizeitpark „Wisseler See“ sehr gelegen, sehr schön, ziemlich neu, gepflegt und durchdacht. Dass es hier auch TV, sogar auf Großleinwand gibt brauche ich wohl nicht zu erwähnen, trinke aber auf der Terrasse noch etwas kaltes und komme mit 2 Paaren so um die 40 J. unterwegs mit Pedelec´s ins Gespräch. Die staunen nicht schlecht was meine Tour angeht, finden das aber für sich zu anstrengend. Also meine Devise ist ja „Jedem das Seine“, aber ich mit Pedelec, unvorstellbar, worüber könnte ich mich denn dann am Ende des Tages freuen oder sogar ein wenig stolz sein?
So sehe ich heute seit meiner Abfahrt am 04.06. die erste Tagesschau und muss feststellen, es ist alles noch beim „Alten“, zu dem Zeitpunkt sogar hier in NRW.
Dann gibt es nach über 3 Wochen mal wieder ne Currywurst mit Kartoffelsalat und ein Weizenbier, vielleicht waren es aber auch 2 oder 3, auf dem Foto sehe ich jedenfalls ganz schön fertig oder leicht angetrunken aus. Das 4:1 gegen die Briten hab ich jedenfalls gesehen, super, und gehe schlafen.
Km 59,98

25.Tag, 28.06.2010

Als ich in der Frühe aufwache, baue ich in Ruhe ab, denn die Bezahlung war erst ab 08:30h möglich, ich hatte das offen gelassen, weil ich evtl. 2 Nächte bleiben wollte.
Bei einem wie sich später herausstellen sollte letzten Cappu kommt etwas Wehmut auf, weil mir diese Reisen auch so etwas wie Abenteuer vermitteln, soll dieses Abenteuer tatsächlich heute zu Ende gehen frage ich mich.
Nein, und ich tröste mich selbst, es wird -so Gott will- weitere Radreisen und damit verbundene Abenteuer geben, versprochen.
Ich passiere den heißen Brüter, jetzt das Wunderland-Kalkar und sehe auf einem kleinen Parkplatz links ein wüstentaugliches Wohnmobil mit dem Schweizer Kreuz vorne drauf, davor ein Tisch mit Tischdecke und einem älteren Paar.
Ich fahre rüber, wir kommen schnell ins Gespräch und es sollte, wenngleich ich unterwegs sehr nette Menschen kennenlernen durfte, die schönste Begegnung dieser Reise werden weil es zwischen uns sehr viele Parallelen gibt wie sich herausstellen wird.
Yvonne und Hans-Ueli heißt dieses bezaubernde Ehepaar aus der Schweiz bieten mir zunächst einen Kaffee, später, wir sind ungefähr im gleichen Alter das „DU“ an. Die Unterhaltung dauert etwas länger, denn Yvonne und Hans-Ueli erzählen, dass Sie auf dem Weg nach Norden sind und ähnlich wie ich vor meiner OP, früher sehr kommerziell gedacht und gehandelt, dann aber ihr Leben neu definiert haben.
Sie haben ihr Haus der Tochter geschenkt und reisen jetzt mit ihrem tollen Wohnmobil um die Welt. Hans-Ueli meinte nur er habe keine Lust mehr Rasen zu schneiden usw. mit der Bemerkung „wenn mir das Gras hier zu lang ist, fahre ich dort hin wo es mir gefällt, oder?“ Ja, da ist eine richtige Freundschaft enstanden.
Nach dieser schönen Episode geht´s nun weiter, bei den nächsten Beschilderungen lese ich viel Bekanntes, so ruft die Heimat und mein Bett, auch wenn im Kopf schon die Gedanken bzgl. der nächsten Reise kreiseln.
Hier am Niederrhein komme ich mir manchmal vor wie vor 2 Jahren auf der „North-Sea-Cycle-Route“ an der Nordseeküste, mit ständig zu öffnenden Gattern und Schafskot ohne Ende, naja geht vorbei, aber jetzt -welch Wunder- mit Rückenwind.
Die letzen 20-30 km vor Duisburg saue ich bedingt durch den Belag „Max“ noch richtig ein, er altert in sehr kurzer Zeit, er wird grau, im Gegensatz zu mir.
Mit der ganzen Schwerindustrie hier kann ich nicht all zu viel anfangen, daher auch keine Fotos, aber mir läuft bei der Rheinfels Quelle und Sinalco ein schönes, gepflegtes altes Dreirad der Marke Tempo-Hanseat über den Weg. Der Hanseat wurde Ende der 40er Anf. der 50er Jahre in Hamburg-Harburg -wo ich später jahrelang selbständiger Gastronom war- gebaut und durfte ohne Führerschein gefahren werden.
Gegenüber der alten Post in Duisburg, im „Der kleine Prinz“ , -ein unterstütztes Sozialprojekt- gönne ich mir ein schön kaltes Mineralwasser und einen Eiscafe´ für kleines Geld und mache ein Foto speziell für Paule, denn ich weiß dass ich auf dem richtigen Weg bin. Vor Angermund gibt´s noch nen schönen Jaguar Type E zu sehen und um punkt 21:00h stehe ich vor meiner Haustür.
Km 119,03
Gewicht 85,8 kg
Hier sind die Bilder zur Tour.
Hier und Hier ein kleines Video zum schmunzeln.
….und noch eins

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