Hamburg-Kiel-Nordostseekanal-Weserradweg-Kassel

Vorbemerkung:
Eigentlich sollte man seinen Prinzipien ja treu bleiben, hatte ich mir doch Ende August 2008, nachdem er mir eine Tour -Saar-Mosel-Rhein- wegen ein wenig Regen versaut hatte geschworen, mit meinem alten Musikerkollegen, ich nenne ihn mal um niemanden zu diskriminieren „R“, weil das Rolf, Reiner, Richard oder auch Robert usw. heißen kann, (wir haben 1959/60 in einer Band zusammen gespielt, er Gitarre, ich Schlagzeug und Gesang), aus den Augen verloren und nach 31 Jahren durch das Internet wieder Kontakt bekommen, nie wieder eine Radtour zu machen. Ein altes Foto anbei.
Andererseits möchte ich aber auch nicht versäumen, einmal darzulegen, dass es nicht leicht ist, den passenden Partner für Radtouren- oder reisen zu finden.
Als „R“ -bzgl. Radreisen völlig unerfahren- mich im Juli, ich war gerade aus den Ardennen zurück bat, mit ihm den Nordostseekanal zu fahren, habe ich ihm gleich erklärt, dass es ziemlich öde ist, immer an einem schnurgeraden Kanal entlang zu radeln, die Erfahrung hatte ich ja im letzten Jahr am Dortmund-Ems-Kanal gemacht, dass es aber eine NOK-Route gibt, die aus dem normal knapp 100 km langen Kanal eine schöne Tour von ca. 325 km macht, da gäbe es viel zu sehen und ich wäre dabei. Wir haben viel und lange darüber über Skype geredet, „R“ hat noch den Radwanderführer 2010 bestellt und ich die Route, die normal in Brunsbüttel startet umgeschrieben, mit Start in Kiel.

1. Tag, 02.08.2010

Um 06:30h starte ich mit 88,2 kg Lebendgewicht plus 45 kg Gepäck mit Anhänger Richtung Düsseldorf Hbf., der Zug geht pünktlich um 07:33h nach Hamburg, meine alte Heimat, schließlich habe ich hier über 20 Jahre gewirkt, mich sehr wohl gefühlt und liebe „mein Hamburch“ noch immer.
Der Zug läuft pünktlich um 11:12h im Hbf. ein, alles klappt prima, nur der Zug von „R“ hat 1 Std. Verspätung und kommt erst anstatt um 12:12h um 13:12h an, ich gehe Kaffee trinken. Nachdem „R“ eingetroffen ist, radeln wir los, zunächst zum Kultimbiss „Bei Schorsch“, „Beim grünen Jäger 14“ um 1 Currywurst zu , das muss man gesehen und geschmeckt haben , die Gelehrten sind sich noch heute uneins darüber, ob die Currywurst in Berlin oder von Schorsch erfunden wurde und ich halte jede Wette, dass dort der höchste Umsatz pro qm getätigt wird, Wahnsinn. Bei Schorsch verkehren neben Huren, Polizei, Bänkern, Managern usw. usw. eigentlich so ziemlich alles was Hamburg zu bieten hat. Außerdem bekommt man das Kultgetränk „Anjola“ -eine Ananas Limonade, Ältere werden sich erinnern- nur noch hier, sonst nirgendwo auf der Welt.
Vorbei an alten Wohn- und Wirkungsstätten über den Eimsbütteler Marktplatz zum Campingplatz „Buchholz“ auf der Kieler Strasse, müssen jedoch wegen Nichtreservierung 1 ½ Std. warten, klappt aber dann doch.
In der Wartezeit kommt heraus, warum mich „R“, -der zelten eigentlich nicht mag- gebeten hat mitzufahren und ihm mein altes Zelt zu schicken, er hatte eigentlich vor in Jugendherbergen zu nächtigen, bei der ersten in Hamburg allerdings gleich mal eine Absage erhalten, jetzt weiß ich zumindest woher der Wind weht.
Nach dem wir aufgebaut haben, schwingen wir uns auf die Drahtesel in Richtung Innenstadt, Hafen und Landungsbrücken, wo noch immer die „Rickmer Rickmers“ liegt, im Hintergrund die „Unvollendete“ und immer teurer werdende „Elbphilharmonie“, da fängt es an, das typische Hamburger Schmuddelwetter.
Wir suchen ein Restaurant im Hafen auf und essen leckeren Fisch, dabei erzählt mir „R“, dass er nicht einmal seiner Frau erzählt habe, wann wir zurück kommen -ich sollte ursprünglich mit ihm nach Ostfriesland, wo er wohnt fahren-, ob in 2 oder 3 Wochen, also Zeit satt. Ich als hauptberuflicher Rentner hab davon ja eh genug, meine liebe Nachbarin versorgt meine Pflanzen, schaut nach Post und ruft zur Not an wenn´s brennt, den Fall gab´s allerdings bislang zum Glück noch nicht.
Km 34,98

2. Tag, 03.08.2010

Ich habe zwar schon ruhigere Nächte verbracht, dicht neben uns standen 3 Zelte von Jugendlichen, die u.a. sogar aus Traunstein angereist waren und zum Wacken-Festival wollten schon mal richtig eingeheizt haben, na gut, ich war auch mal jung. Der Regen hat die ganze Nacht durch angehalten, aber als ich um 06:00h wach werde und „R“ noch schlummert hörte er auf, aber es ist halt alles nass. Bei radweit.de hatte ich eine Route von HH nach Kiel ausgedruckt, die wir aber nicht fahren, weil der CP auf der Kieler Strasse 374, der B4, die konsequenterweise nach Kiel führen sollte liegt, wäre es Unsinn die Route durch die Innenstadt zu nehmen. So fahren wir nachdem „R“ gefrühstückt hat auf recht guten Radwegen neben der nicht zu stark befahrenen B4 über Bönningstedt, Quickborn und Bad Bramstedt wo die B4 plötzlich endet weiter über Neumünster Richtung Kiel, die meisten Autos nehmen wohl die BAB.
Schon nach recht kurzer Zeit wird mir klar, dass es ein Fehler von mir war mit „R“ die Tour zu fahren, er ist halt zum Einen kein Teamplayer, zum Anderen kriegt er Panik bei Regen, und wie schon vor 2 Jahren fährt er dort wo er sich nicht verfahren kann immer 50 bis 200 m voraus, sehr unterhaltsam. Mitunter werde ich auch das Gefühl nicht los, dass bei ihm die Zeit stehengeblieben ist, weil er sich mir gegenüber verhält als sei er wie vor vielen Jahren mit seinen Söhnen, die inzwischen aber auch schon Mitte 40 sind unterwegs, eigenartig.
Und wer glaubt, hier auf dem „platten Land“ zu sein irrt sich gewaltig, auch hier gibt es zumindest für mich kräftige Anstiege. In Kiel angekommen, fragt „R“ einen Passanten: „wo geht et denn hier nach Falkenstein?“ -er ist gebürtiger Wuppertaler und hat den Slang nie abgelegt- und bekommt die Antwort: „auf der anderen Seite des NOK“, „un wie kommen wer da hin?“ Antwort: „über die Hochbrücke oder mit der Fähre“, er schaut mich an und meint „wir nehmen die Hochbrücke, Fähre kostet Geld“, sagt der Befragte: „nee die Fähre kostet nix“, „R“: „na gut dann nehmen wer de Fähre“. Gesagt, getan, wir nehmen die Fähre. Während der Überfahrt hat er sich abseits von mir nach dem richtigen Weg erkundigt, verfährt sich allerdings gnadenlos. Wir landen an der Ostsee auf einem Parkplatz und „R“ fragt einen Herrn der beim Einsteigen in seinen BMW mit Frankfurter Kennzeichen ist: „wo iss denn hier der Campingplatz?“, der zuckt nur mit den Achseln, während ich über Handy den CP anrufe und mir den Weg erklären lasse.
Ausgehungert erreichen wir gegen 21:00h den CP, wo wir erst einmal wegen Küchenschluss nur noch „Currywurst-Pommes“ zu essen bekommen und dann in der Dämmerung aufbauen.
Km 112,01

3. Tag, 04.08.2010

Bei strahlendem Sonnenschein wache ich um 07:00h auf und nehme während „R“ noch schläft mein übliches „Frühstück“ ein, Riegel, Cappu und Banane.
Mein Reisepartner schält sich eine Stunde später aus seiner Behausung und erklärt dass er nach dem anstrengenden Tag gestern heute pausieren möchte. Ich verweise auf das schöne Wetter, aber er meint er müsse auch ein wenig mit auf meine Gesundheit achten, was mir ein gequältes Lächeln entlockt, mit dem Hinweis, dass ich das die letzten 67 Jahre selbst recht ordentlich im Griff hatte, naja Vaterkomplex?
Nun denn, so gehen wir nachdem er sein Frühstück im CP-Restaurant eingenommen hat zur Ostsee, faulenzen und haben nun genügend Zeit uns um die lange besprochene Route lt. von mir ausgedrucktem Material und seiner eigens für diese Tour gekauften Radwanderführer 2010 zu kümmern.
Ich sehe diesen Radwanderführer jetzt zum ersten Mal und finde ihn auch gut, doch dabei stellt sich heraus, dass „R“ gar nicht diese Route fahren will, sondern nur daran interessiert ist „Dicke Pötte“ zu sehen, was bedeutet am Kanal entlang zu fahren. Aufgrund dessen bin ich stocksauer, mache aber noch gute Miene zum bösen Spiel!
Abends esse ich noch Spaghetti Bolognese und trinke ein Weizenbier im CP-Restaurant, „R“ ist müde und geht um 21:30h schlafen.
Km 0,00

4. Tag, 05.08.2010

Letzte Nacht hat es wieder geregnet, alles ist klitschnass und muss auch so eingepackt werden. Eine entsprechende Bemerkung konnte ich mir nicht verkneifen, wenngleich es anderswo vermutlich genau so war. Und es regnet weiter.
Beim packen meines Bikes stelle ich wieder mal einen Speichenbruch fest, telefoniere von der Rezeption aus mit einem großen Radladen in Friederichsort, fahre solo hin während „R“ frühstückt und lasse reparieren (ich muss dringend Gepäck reduzieren).
Um 11:00h kommen wir los, „R“ fährt wie fast immer vor, um sich regelmäßig zu verfahren. Die Schuld daran hat natürlich nicht er sondern die Beschilderung. So macht das keinen Spaß und meine Stimmung ist im Keller, denn alles was ich mir ansehen wollte wird ignoriert, immer entlang des Kanals, einfach öde.
Die so genannten „Dicken Pötte“ die „R“ alle im Bild festhält sehen für mich letztlich mit Ausnahme der Farbe fast alle gleich aus, da gibt es Tanker, Container, tja was noch, viele kleine Jollen die bzgl. des Schiffsaufkommens alle mitgezählt werden. Die Passagierschiffe fahren ohnehin nur ganz selten, und dann nachts.
So fahren wir teilweise bei Regen bis Sehestedt, wo wir in einer Heu-Herberge für 40,00 € ein Doppelzimmer nehmen.
Beim nächsten dummen Spruch steige ich aus, das steht für mich fest, lieber alleine als mit einem so rechthaberischen egoistischen Begleiter fahren.
km 57,20

5. Tag, 06.08.2010

Wir starten nach einem guten Frühstück und guter Nacht um 09:30h. Die Preise stelle ich fest, kennt man in Heu-Herbergen auch schon.
„R“ fährt zunächst hinter mir, sobald wir jedoch auf dem richtigen Weg sind, überholt er, so als müsse er mir beweisen dass er noch fit ist, ich habe allerdings das Gefühl, der ist nicht auf einer Radtour sondern „auf der Flucht“.
Wir müssen einkaufen, ich brauche wegen der Sachen für mich einen „Lidl-Markt“, kommen aber am Ortseingang von Rendsburg an einem Aldi Markt vorbei, den „R“ ansteuert. Er geht wortlos Richtung Eingang und erwidert auf meinen Hinweis mit Lidl wörtlich: „wenn du glaubst jetzt Lidl suchen zu können, bist du bei mir falsch“ und das in einem Ton den ich mir definitiv nicht bieten lasse.
Ich wäre jetzt am liebsten abgefahren, was mir meine Erziehung jedoch verbietet, so warte ich bis er rauskommt und erkläre ihm, dass ich auf solche Mätzchen keinen Bock habe und er alleine weiterfahren soll. Da wird er plötzlich kleinlaut und bittet mich doch zu bleiben und mit ihm weiter zu fahren.
So bekomme ich doch noch das Ein oder Andere Interessante, z.B. die Schwebefähre die derzeit überholt wird und daher außer Betrieb ist und auch einen Lotsenwechsel in Rüsterbergen zu sehen.
Er wird plötzlich kooperativ, ich merke dass er völlig planlos und nur an den Schiffen interessiert ist, zum Anderen ist seine Digicam kaputt und ich leihe ihm meine, dass er seine „Schiffchen“ fotografieren kann.
In Breiholz nehmen wir die Fähre zur Südseite und finden dort einen sehr zu empfehlenden Super-Imbiss vor, es ist 13:00h und es gibt Sauerfleisch mit Bratkartoffeln, mmmmhhh lecker, lange nicht gegessen.
Danach möchte „R“ eine Heu-Herberge anfahren, ich aber nicht mitspiele und weiter fahre, soweit kommt es noch, nach 3 ½ Std. auf die faule Haut legen?!?
Um 14:45h erreichen wir Oldenbüttel, schade, die Uhrzeit passt leider nicht, denn hier wollte ich mich gerne mit dem Forumsmitglied „Rainman“ treffen, aber der hat erst um 17:00h Feierabend, schade. Hier wechseln wir wieder zur Nordseite des NOK und fahren den CP Klein-Westerland in Hochdonn an. Hier gibt´s leckeren Kaffee und Kuchen.
Nachts gegen 0,00h kommt noch die Aida Cara durch, wir sehen es uns an, ein Kurzvideo gibt´s auf Youtube.
Heute war es angenehm und trocken.
km 65,85

6. Tag, 07.08.2010

„R“ trödelt wie üblich rum, es dauert und dauert, bis er endlich seine 7 Sachen beisammen und gepackt hat, danach muss er frühstücken, er braucht das.
Bin ich zu ungeduldig frage ich mich? , aber so kommen wir heute erst um 10:40h los.
In Brunsbüttel müssen wir die Fähre zur Südseite nehmen, weil wir durch den Schnelldurchgang am NOK schon heute am Samstag hier sind, die Fähre nach Cuxhaven aber nur Die. Und Do. verkehrt und wir nun die Fähre Glückstadt-Wischhafen über die Elbe nehmen müssen.
„R“ möchte am liebsten quer durch fahren nach Bremerhaven, auf meinen Hinweis dass es auf der Route im „Landesinneren“ eher keinen CP gibt, wählen wir die sichere Variante und fahren nach Otterndorf.
Wir bekommen einen schönen Platz, durch seine Trödelei allerdings nichts mehr zu essen, ich denke das hat ihm den Zahn gezogen, denn wir trinken nur noch 2 Alster und gehen schlafen.
km 101,10

7. Tag, 08.08.2010

Heute ist „R“ ausnahmsweise früh wach und erklärt, seine Luftmatratze -ein Gästebett zum aufblasen- sei kaputt und wir fahren direkt nach Ostfriesland, zu ihm nach Hause.
Dabei fällt mir auf, der Kamerad macht alles „mit Auge“, denn vor 2 Jahren war am Tag seiner Aufgabe plötzlich sein Schlafsack verloren gegangen.
In einem kleinen Laden direkt am Weg in der Nähe des CP trinken wir einen Kaffee und essen etwas, dabei erkläre ich ihm, dass ich nach nur 1 Woche nicht schon die Tour beenden werde um mich bei ihm in die Butze zu setzen aber wenn er Sehnsucht nach Mami hat, bitteschön.
Wir fahren weiter bis „R“ nach exakt 7,86 km feststellt, dass er nun schon zum 2. Mal seinen Rucksack vergessen hat und fährt zurück um ihn zu holen.
Ich mache hier kurz vor Altenbruch wo die Elbe ca. 13 km breit ist meine Notizen und werde wohl eine Std. warten müssen. So kam es auch, wir fahren weiter, vorbei am „Aeronauticum“, dem Deutschen Luftschiff und Marinefliegermuseum in Nordholz, wo wir in der Cafeteria einen Kaffee trinken und ein Stück leckeren Pflaumenkuchen essen Richtung Bremerhaven.
Dort angekommen kann „R“ es gar nicht erwarten zur Fähre zu kommen und fragt wieder einen Passanten: „wo geht et denn hier nache Fähre?“, der ist jedoch der deutschen Sprache nicht mächtig und reagiert abfällig. Du bist doch hier schon mal gefahren, stimmt, vor 2 Jahren in entgegengesetzter Richtung hab ich mich hier grausam verfranzt.
So läßt er sich lotsen, ich sehe ein Hinweisschild zur Fähre und ein Radlerpaar beim Studieren einer Bikeline Karte, auf meine Nachfrage bestätigen sie die Richtigkeit des Weges, nun möchte ich nur noch kurz nachsehen auf welcher Weserseite der Weserradweg verläuft. Gesagt, getan, aber als ich wieder aufschaue, war „R“ verschwunden, an der Fähre die soeben abgelegt hat ist er auch nicht, weg, einfach weg!
Ich muss nach Nordenham übersetzen und ca. ½ Std. auf die nächste Fähre warten, da klingelt mein Handy und „R“ erzählt mir dass eine Fähre gerade da gewesen sei und er die schon einmal genommen hätte, weil ich ja doch nicht mit nach Ostfriesland fahren würde und „wir hören“ entweder über Skype oder Telefon.
Tja was halte ich jetzt von diesem Typen, für den ich im Juni 2009 ohne Zelt, d.h. mit Hotel- und Pensionsübernachtungen auf eigene Kosten ab Düsseldorf den Dortmund-Ems-Kanal bis Norden hochgefahren bin um seinen PC aufzurüsten, ich bin mir sicher, die Finger!
Nun bin ich regelrecht erleichtert, eine große Last ist von mir abgefallen und ich kann wieder locker fahren. Der nächste CP bietet sich noch in Nordenham an und ist sehr schön. Nach dem Aufbau fahre ich in den nahegelegenen Hafen und esse dort nach langer Zeit mal wieder eine Scholle „Finkenwerder Art“ mit Speckstippe und Petersilienkartoffeln, ein Träumchen. Anschließend lädt mich mein Zeltnachbar aus Münster noch zu einem Bier ein und wir führen ein nettes Gespräch.
In der Nacht gehen mir noch einmal die ganzen Sprüche von „R“ durch den Kopf, „da bleiben wir 3 Tage in Hamburg um uns einiges anzusehen“, „2 Tage in Kiel“ und dann fahren wir noch für „ein paar Tage nach Bremen“, wir haben ja Zeit???
Km 70,52

8. Tag, 09.08.2010

Um 08:20h geht´s loos, und wer bis hierher gelesen hat stellt fest, dass die Abfahrtzeit erheblich früher ist.
Der Radweg ist zwar ganz O.K., aber die Strecke bis oder ab Bremen -je nachdem wie man fährt-, kann man sich m.E. schenken. Ich versuchte es noch auf der anderen, rechten Weserseite durch Übersetzen mit der Fähre bei Brake, habe das jedoch bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wieder geändert.
Unterwegs lerne ich einen sehr netten jungen Belgier kennen, der aus Norwegen kommend schon über 3500 km „auf der Uhr“ hat, fahren ein Stück gemeinsam und landen in einer wahren Dreck- und Schlammwüste.
Bei einem Bauern der gerade mit einem Hochdruckreiniger arbeitet dürfen wir unsere Räder abspritzen, leider hatte er schon Hand angelegt, bevor ich ein Foto machen konnte, unsere Bikes sahen echt schlimm aus, voller Dreckklumpen.
Der Bauer kannte das aber schon, er erzählte, es seien schon Radler bei ihm gewesen, die ihre Räder vor lauter Dreck unter den Schutzblechen nicht mal mehr schieben geschweige denn fahren konnten.
Danach trennten sich unsere Wege und ich fuhr alleine weiter, ein Stück durch Bremen, vorbei am gegenüber liegenden Weserstadion und es gab leckere Brombeeren reichlich.
In der Nähe von Thedinghausen gibt es den nicht am Radweg gelegenen CP „Boller-Holz“ von dem ich rein zufällig erfahre und anfahre.
Trotz der Widrigkeiten heute ist bei mir die Freude am Touren jedenfalls zurück.
Der CP ist total abgelegen, es gibt nichts, die Gastronomie hat nur am Wochenende geöffnet und die Menge an um mich herum hoppelnden Kaninchen sind und bleiben am Leben, die gurrenden, dem Liebesspiel verfallenen Tauben auch.
Folglich gibt es „Trockenfutter“ „Boeuf Stroganoff“ , nicht umsonst bin ich autark.
Trotz reichlich Regen hat´s heute wieder richtig Spaß gemacht.
km 98,36

9. Tag, 10.08.2010

Die Sonne weckt mich um 06:30h, gegen 08:00h messe ich schon, nein mein BC natürlich 19,3°.

Der Betreiber des CP „Boller-Holz“ läuft mir gerade bei der Abfahrt um 08:29h über den Weg und ich frage noch kurz nach dem besten Weg und rolle vom Hof. Der CP liegt zwar an der Weser, nicht aber am Radweg, so finde ich zwar de „richtigen Weg, der zwar zu fahren ist, nicht aber an der Weser entlang.
Das einzige was mir fehlt ist eine Bäckerei oder sowas ähnliches, Fehlanzeige!

So rolle ich gegen 11:00h in Verden/Aller ein, wo vor einem SB-Markt ein Hähnchen-Grill steht und ich es richtig krachen lasse, die vergangenen Tage als ich noch mit „R“ unterwegs war hätte ich an dem Einen oder Anderen Hähnchen-Grill schon mal gerne ein ½ Hähnchen gegessen, „R“ hatte aber keinen Bock auf „Gummiadler“ wie er zu sagen pflegte.
Also gönne ich mir um keinen Hungerast zu kriegen ein ½ Hähnchen mit Krautsalat, Tzaziki, Brot (Dönertasche) und ne Cola, mmmhh, lecker.

Ich verlasse Verden über eine alte Allerbrücke (eine Neue ist daneben im Bau), später über eine Weserbrücke und komme an einen Wegweiser dort steht: Thedinghausen 14 km, ich habe aber 41 km auf der Uhr, soviel zum „richtigen Weg“. Kann der sich so schlängeln?

Während ich hier sitze und meine Notizen mache, hält ein ebenfalls älterer Reiseradler mit TOP-Equipment an, er hat seinen Hund, einen schwarzen Labrador dabei, der ganz bequem auf dem Gepäck des BOB-Ibex liegt. Wir unterhalten uns sehr nett, er erzählt, dass er letzte Nacht wild gecampt und damit kein Problem hat. Nicht etwa aus Kostengründen, Geld habe er als Steuerberater genug, nein, wegen des Abenteuers.

Im Gegensatz zu mir verfügt er über eine Karte, läßt mich nachschauen und ich merke mir einen CP.
So fahre ich über Balge (mit schöner alter Kirche) auf recht umständlich geführten Wegen gemütlich und mit einer großen Portion Eiscreme den CP in Drakenburg, der durch einen Wassersportverein geführt wird an.
Auf der Strecke wird viel gebaut und mein Bike und Taschen sehen wieder saumäßig aus.
Daher findet, nachdem „mein Haus“ steht eine so genannte „Putz- und Flickstunde“ (so nannte man das jedenfalls als ich noch beim „Bund“ war) statt, oh Gott ist das lange her, 1964/65 boa ey.

Gegen 10:00h rief übrigens mein „Freund“ an und fragte wo ich denn sei, ich antwortete wahrheitsgemäß bei Achim, „sag bloß Du fährst den Weserradweg wirklich?“ fragte er erstaunt, „ich bin froh, dass ich zu Hause bin, wann? „gestern Nachmittag“.
Da glaubt der doch tatsächlich, dass wenn er Sehnsucht nach Mami hat, ich auch nach Hause fahre, ha, ha, haaaa.
Auf dem 5. Foto zu sehen, Sitzgruppe, Wäschespinne incl. Fahrradständer und der schöne Baum, wie ich uralt, lebt aber.
Heute war es schön warm, angenehm.
km 80,23

10. Tag, 11.08.2010

Heute regnet es, wie schon die ganze Nacht als ich um 08:40h von dem wirklich schönen CP der wohl doch etwas abgelegen liegt starte, denn obwohl mir einige Reiseradler, die meisten starten ja in Hann. Münden entgegen kommen, war kein RR hier auf dem Platz.
So musste ich also nass einpacken und es stellt sich die Frage, sollte mein Putzen umsonst gewesen sein? Nein, denn so habe ich ein besseres Gefühl. „Max“ steht übrigens als „Strahlemann“ neben mir während ich schreibe, das hat er sich verdient.
Meine täglichen Ausfahrten erledigt jetzt sein älterer „Kollege“, die häufig hier im Forum verwendete Bezeichnung „Stadtschlampe“ kommt meinem Fahrrad mit dem ich viele schöne Touren und Radreisen (z.B. Wien) ohne Probleme gemacht habe und immer noch gerne fahre nicht zu, es ist m.E. eine unglaubliche Erniedrigung.
Nachdem ich mich einmal verfranzt habe, rolle ich um 09:45h in Nienburg/Weser ein und gönne mir in einer Bäckerei gleich mal 1 Pott Kaffee und ein Stück Bienenstich.
Mitten in Nienburg treffe ich den Platzwart nebst Frau (ich mußte schieben), die mir erzählen was ich sehe, in Nienburg ist Markt, angeblich der schönste Europas, was ich nicht beurteilen kann. Nur dass dort eine Gulaschkanone steht und Nienburg als Stadt sehr hübsch ist.
Nach 10 km Umweg bin ich nun in der Spur, vorbei an der Schleuse Schlüsselburg Richtung Petershagen. Immer wieder ärgern mich Regenschauer und Wind ohne Ende, mal von vorne links, dann von vorne rechts und dann zur Abwechslung mal frontal, ganz brutal.
Obwohl es schon lange her ist, erinnere ich mich, dass ich genau dieses Wetter früher beim „Bund“ Heute regnet es, wie schon die ganze Nacht als ich um 08:40h von dem wirklich schönen CP der wohl doch etwas abgelegen liegt starte, denn obwohl mir einige Reiseradler, die meisten starten ja in Hann. Münden entgegen kommen, war kein RR hier auf dem Platz.
So musste ich also nass einpacken und es stellt sich die Frage, sollte mein Putzen umsonst gewesen sein? Nein, denn so habe ich ein besseres Gefühl. „Max“ steht übrigens als „Strahlemann“ neben mir während ich schreibe, das hat er sich verdient.
Meine täglichen Ausfahrten erledigt jetzt sein älterer „Kollege“, die häufig hier im Forum verwendete Bezeichnung „Stadtschlampe“ kommt meinem Fahrrad mit dem ich viele schöne Touren und Radreisen (z.B. Wien) ohne Probleme gemacht habe und immer noch gerne fahre nicht zu, es ist m.E. eine unglaubliche Erniedrigung.
Nachdem ich mich einmal verfranzt habe, rolle ich um 09:45h in Nienburg/Weser ein und gönne mir in einer Bäckerei gleich mal 1 Pott Kaffee und ein Stück Bienenstich.
Mitten in Nienburg treffe ich den Platzwart nebst Frau (ich mußte schieben), die mir erzählen was ich sehe, in Nienburg ist Markt, angeblich der schönste Europas, was ich nicht beurteilen kann. Nur dass dort eine Gulaschkanone steht und Nienburg als Stadt sehr hübsch ist.
Nach 10 km Umweg bin ich nun in der Spur, vorbei an der Schleuse Schlüsselburg Richtung Petershagen. Immer wieder ärgern mich Regenschauer und Wind ohne Ende, mal von vorne links, dann von vorne rechts und dann zur Abwechslung mal frontal, ganz brutal.
Obwohl es schon lange her ist, erinnere ich mich, dass ich genau dieses Wetter früher beim „Bund“ mochte, wenn mir im Gelände der Regen oder auch Hagel ins Gesicht prasselte, Peeling und damit Wellness pur.
Nutzt aber in meinem Alter nix mehr.
Heute ist irgendwie nicht mein Tag, entweder hab ich schlechte Beine oder finde nicht den richtigen Gang, oder von Allem etwas?
Weil ich ja schon wieder mal völlig planlos unterwegs bin, frage ich einen am Radweg stehenden Polizisten? Tatsache, nach dem nächsten CP.
Mein Glück, ca. 3 km weiter, er zeigt es mir auf der Karte, auf der anderen Weserseite in Petershagen Lahde. Auf der Auffahrt zur Brücke frage ich um mich zu vergewissern einen Einheimischen ob ich richtig bin nach Lahde, der schaut mich obwohl er aus der Richtung kommt entgeistert an, „Laaahde? Ja da müssen se übere Brücke“ . So überquere ich noch 2 mal einen Kanal und bin da.
Kurz darauf schlägt neben mir ein Deutscher auf, sowas wortkarges hab ich noch nie erlebt, soll nur heißen er war der deutschen Sprache mächtig.
Der Regen hat inzwischen aufgehört aber ich hab für heute keine Lust mehr, nicht mal mehr um zum Essen zu fahren, also Trockenfutter.
Ganz am Rande bemerkt, die Putzerei gestern hätte ich mir schenken können, mein Bike sieht wieder aus wie vorher, überall pappt der Modder.
km 71,40mochte, wenn mir im Gelände der Regen oder auch Hagel ins Gesicht prasselte, Peeling und Heute regnet es, wie schon die ganze Nacht als ich um 08:40h von dem wirklich schönen CP der wohl doch etwas abgelegen liegt starte, denn obwohl mir einige Reiseradler, die meisten starten ja in Hann. Münden entgegen kommen, war kein RR hier auf dem Platz.
So musste ich also nass einpacken und es stellt sich die Frage, sollte mein Putzen umsonst gewesen sein? Nein, denn so habe ich ein besseres Gefühl. „Max“ steht übrigens als „Strahlemann“ neben mir während ich schreibe, das hat er sich verdient.
Meine täglichen Ausfahrten erledigt jetzt sein älterer „Kollege“, die häufig hier im Forum verwendete Bezeichnung „Stadtschlampe“ kommt meinem Fahrrad mit dem ich viele schöne Touren und Radreisen (z.B. Wien) ohne Probleme gemacht habe und immer noch gerne fahre nicht zu, es ist m.E. eine unglaubliche Erniedrigung.
Nachdem ich mich einmal verfranzt habe, rolle ich um 09:45h in Nienburg/Weser ein und gönne mir in einer Bäckerei gleich mal 1 Pott Kaffee und ein Stück Bienenstich.
Mitten in Nienburg treffe ich den Platzwart nebst Frau (ich mußte schieben), die mir erzählen was ich sehe, in Nienburg ist Markt, angeblich der schönste Europas, was ich nicht beurteilen kann. Nur dass dort eine Gulaschkanone steht und Nienburg als Stadt sehr hübsch ist.
Nach 10 km Umweg bin ich nun in der Spur, vorbei an der Schleuse Schlüsselburg Richtung Petershagen. Immer wieder ärgern mich Regenschauer und Wind ohne Ende, mal von vorne links, dann von vorne rechts und dann zur Abwechslung mal frontal, ganz brutal.
Obwohl es schon lange her ist, erinnere ich mich, dass ich genau dieses Wetter früher beim „Bund“ mochte, wenn mir im Gelände der Regen oder auch Hagel ins Gesicht prasselte, Peeling und damit Wellness pur.Heute regnet es, wie schon die ganze Nacht als ich um 08:40h von dem wirklich schönen CP der wohl doch etwas abgelegen liegt starte, denn obwohl mir einige Reiseradler, die meisten starten ja in Hann. Münden entgegen kommen, war kein RR hier auf dem Platz.
So musste ich also nass einpacken und es stellt sich die Frage, sollte mein Putzen umsonst gewesen sein? Nein, denn so habe ich ein besseres Gefühl. „Max“ steht übrigens als „Strahlemann“ neben mir während ich schreibe, das hat er sich verdient.
Meine täglichen Ausfahrten erledigt jetzt sein älterer „Kollege“, die häufig hier im Forum verwendete Bezeichnung „Stadtschlampe“ kommt meinem Fahrrad mit dem ich viele schöne Touren und Radreisen (z.B. Wien) ohne Probleme gemacht habe und immer noch gerne fahre nicht zu, es ist m.E. eine unglaubliche Erniedrigung.
Nachdem ich mich einmal verfranzt habe, rolle ich um 09:45h in Nienburg/Weser ein und gönne mir in einer Bäckerei gleich mal 1 Pott Kaffee und ein Stück Bienenstich.
Mitten in Nienburg treffe ich den Platzwart nebst Frau (ich mußte schieben), die mir erzählen was ich sehe, in Nienburg ist Markt, angeblich der schönste Europas, was ich nicht beurteilen kann. Nur dass dort eine Gulaschkanone steht und Nienburg als Stadt sehr hübsch ist.
Nach 10 km Umweg bin ich nun in der Spur, vorbei an der Schleuse Schlüsselburg Richtung Petershagen. Immer wieder ärgern mich Regenschauer und Wind ohne Ende, mal von vorne links, dann von vorne rechts und dann zur Abwechslung mal frontal, ganz brutal.
Obwohl es schon lange her ist, erinnere ich mich, dass ich genau dieses Wetter früher beim „Bund“ mochte, wenn mir im Gelände der Regen oder auch Hagel ins Gesicht prasselte, Peeling und damit Wellness pur.
Nutzt aber in meinem Alter nix mehr.
Heute ist irgendwie nicht mein Tag, entweder hab ich schlechte Beine oder finde nicht den richtigen Gang, oder von Allem etwas?
Weil ich ja schon wieder mal völlig planlos unterwegs bin, frage ich einen am Radweg stehenden Polizisten? Tatsache, nach dem nächsten CP.
Mein Glück, ca. 3 km weiter, er zeigt es mir auf der Karte, auf der anderen Weserseite in Petershagen Lahde. Auf der Auffahrt zur Brücke frage ich um mich zu vergewissern einen Einheimischen ob ich richtig bin nach Lahde, der schaut mich obwohl er aus der Richtung kommt entgeistert an, „Laaahde? Ja da müssen se übere Brücke“ . So überquere ich noch 2 mal einen Kanal und bin da.
Kurz darauf schlägt neben mir ein Deutscher auf, sowas wortkarges hab ich noch nie erlebt, soll nur heißen er war der deutschen Sprache mächtig.
Der Regen hat inzwischen aufgehört aber ich hab für heute keine Lust mehr, nicht mal mehr um zum Essen zu fahren, also Trockenfutter.
Ganz am Rande bemerkt, die Putzerei gestern hätte ich mir schenken können, mein Bike sieht wieder aus wie vorher, überall pappt der Modder.
km 71,40

11. Tag, 12.08.2010

07:55h, auf geht´s zu neuen Taten, über 2 supersteile Rampen (2 Etagen Treppen mit Fahrrinne zum Schieben, mit Hänger nicht optimal, geht aber), auf den Radweg. um ein Haar lag ich auf der Fre..e.
Der führt heute durch Minden, wo es aufgrund von Bauarbeiten eine Umleitung gibt (bedauerlich wegen Fotos von der Kreuzung zweier Wasserstraßen, Mittellandkanal und Weser, immerhin sieht auf dem 3. Foto die Brücke eines passierenden Schiffes, Pfeil), Porta-Westfalica, Bad Oeynhausen Richtung Vlotho, endet aber ohne einen Hinweis jäh an einem Fähranleger ohne Fähre.
Ich habe Glück, ein Anwohner kommt gerade nach Hause und beschreibt mir und 3 weiteren eintreffenden Radlern einen schönen Weg nach Vlotho.
Irgendwie spielt meine Schaltung heute verrückt, gestern war noch alles O.K.. haben da etwa die Rampen Schaden angerichtet? Ich schraube zwar einiges selbst, mit Schaltungen kenne ich mich jedoch nicht aus und habe davor mächtig .
Am Wegesrand kommt mir eine schöne Bäckerei sehr gelegen wo ich mit 1 Schnecke und 1 Stück Schwarzwälder Kirschtorte (meine Lieblingstorte) zu einem Pott Kaffee zuschlage, das hab ich mir verdient, immerhin hab ich schon 50 km auf der Uhr, und das um 12:00h mittags, Gary Cooper hätte „High Noon“ gesagt.

Auf meiner Weiterfahrt kommt -wie vom Himmel geschickt- links in Porta-Westfalica Eisbergen ein großer ZEG Fahrradladen, „Zweirad-Reese“, ich gehe also „in die Eisen“ und frage an, ob man mir bzgl. meiner Schaltung kurzfristig helfen kann. Man kann, denn die noch recht junge Inhaberin Frau Picker hilft mir sogleich beim Abpacken von „Max“ und schiebt ihn in die Werkstatt. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit einem „Süppchen“ aus dem Automaten.
Nach ca. ½ Stunde kommt der Mechaniker aus der Werkstatt an mir vorbeigefahren und dreht auf dem Hof noch ein paar Runden, um mich dann zu bitten, das Gleiche zu tun, alles paletti. Er sagte noch dass der Käfig verbogen gewesen sei und war weg. So beginne ich also wieder mein Rad zu bepacken und bitte Frau Picker um die Rechnung, diese winkt aber ab und meint „ist schon O.K.“
Mir war das etwas peinlich , wollte ich doch wenigstens ein Trinkgeld geben aber es war Mittagspause und die Glastüren geschlossen, aber Frau Picker kam zur Tür und ich konnte meinen Obolus noch durchschieben. Noch einmal ein herzliches Dankeschön an „Zweirad-Reese“, denn das erlebt man nicht alle Tage, und die Schaltung arbeitet seitdem wieder wie ein Uhrwerk.

Auf guten Wegen geht es über Hessisch Oldendorf in die Rattenfänger Stadt Hameln, wo ich gleich am Ortseingang ein Foto mache. Dabei fällt mir auf, dass mein alter Bekannter aus „Mallorca-Zeiten“, der Frontmann Hartmut Engler mit der Gruppe „PUR“ am 07.08. hier ein Open Air Konzert gegeben haben, heute ist aber schon der 12.08. schade.

Den CP „Zum Fährhaus“ erreiche ich heute bei trockenem, nicht zu warmen Wetter um 15:30h und daher noch genügend Zeit um Einkaufen zu fahren.
Als ich anschließend beim Essen sitze, wollte mich doch tatsächlich eine Wespe stechen, hat die genervt.
Unterwegs fällt mir immer mehr auf, dass sehr viele Mütter/Väter mit Kind(ern) unterwegs sind und frage mich „sind das alles Alleinerziehende“? Ich kann mir nicht vorstellen, dass in allen Fällen der/die Partner/in keine Lust am Radfahren haben.
km 96,08

12.Tag, 13.08.2010

Um 08:00h verlasse ich die Rattenfänger Stadt Hameln, vorbei an einer ganzen Menge Schulkindern die heute wohl Wandertag haben. Fahre über eine Fußgänger Holzbrücke und stelle fest, dass der Weserradweg erst hier im Weserbergland landschaftlich reizvoll wird, abgesehen von den schönen Orten für die ich mir viel zu wenig Zeit genommen habe, weil diese Tour zu unvorbereitet kam und beschließe zu einem späteren Zeitpunkt wiederzukommen und genieße die Ruhe der Natur, aber auch das Kernkraftwerk Grohnde gibt´s hier.

Abgesehen von einer jungen Radlerin die vermutlich ihren Frühsport absolviert und einem der es offenbar eilig hat zur Arbeit zu kommen, begegnet mir der 1. Reiseradler um 09:20h.
Eine ½ Stunde später 2 Ehepaare mit einer ganzen Rasselbande an Kindern die fröhlich lachend grüßen, gefolgt von einem Elternpaar mit Sohn und Tochter, der der es sichtlich gar nicht gefällt. danach nimmt der Verkehr etwas zu.
An der Himmelspforte -der CP in Bodenwerder an dem ich vorbeikomme heißt so-,
gibt´s Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Am Vormittag war es richtig frisch, nur 15,8°, gegen Mittag 25,2° die Lust auf Baden machten. Nun werden einige denken, der fährt doch die ganze Zeit am Wasser entlang, nein, die Weser ist mir zum Baden zu schmutzig, an der Nordsee aus verständlichen Gründen keine Lust.
Aber ich komme an einem Baggersee vorbei und ziehe mich an einem Gebüsch um und will gerade ins Wasser, als auch schon Arbeiter heraneilen und mich mit Rufen wie „Betriebsgelände“, „Baden verboten“ vertreiben.

Danach kamen ein paar kurze, knackige Anstiege wo ich mächtig zu kämpfen hatte und auch noch durch blöde Bemerkungen wie „nur nicht schlapp machen“ von Pedelec Fahrern genervt wurde.
So düse ich also über Holzminden, wo es zu Stärkung beim Imbiss bei dem am Weg liegenden Marktkauf eine Currywurst/Pommes gibt, streife Höxter, wo sich auch wieder mein Freund zu mir gesellt, nein nicht „DER“, der Wind ist gemeint.
Bei einer Trinkpause schaue ich einigen Paddelanfängern zu und hab Schadenfreude pur, sah lustig aus.
Am späten Nachmittag erspähe ich den ersten Ausflugsdampfer auf der so vielgepriesenen Weser.
Hoch oben links ist Fürstenberg, berühmt durch das gleichnamige Porzellan mit Museum, da liegt am Weg am Ortsausgang von Beverungen ein Bootsclub CP, den ich anfahre.
Ein Blick auf meine Touri-Info Karte sagt mir dass die Tour wohl morgen ihr Ende finden wird, weil mir außer von Kassel mit der Bahn nach Hause zu fahren trotz krampfhafter Überlegungen noch kein Licht aufging was ich sonst anstellen könnte, mal sehen?
Während ich aufbaue, dusche und esse lasse ich im CP Restaurant meine Akkus aufladen und hole diese um 19:00h wieder ab, nicht ohne ein Weizenbier zu trinken, da fängt es aber derart an zu schütten, dass ich ein 2. Folgen lasse und das Lokal erst um 20:30h verlassen kann, dann ist Ruhe im Schiff.
km 88,18

13.Tag, 14.08.2010

Heute lasse ich alles bewusst langsam angehen, danach starte ich um 08:44h im dichten Morgennebel (normal gibt’s dann schönes Wetter) und gönne mir in Herstelle beim Bäcker 1 Pott Kaffee und ne Donauwelle weil ich noch nüchtern war –Bananen vergessen-.
Die Sonne hat sich inzwischen ihren Weg gebahnt als ich durch Bad Karlshafen fahre, wo heute Markt ist, und lese ein Hinweisschild Hann. Münden 41,5 km, da kommt es wieder, dieses seltsame, beklemmende Gefühl wenn das Ende der Tour naht. Traurig, dass mich das Radreisevirus erst so spät, viel zu spät befallen hat.
Der Gedanke daran, bald wieder -von meinen täglichen Touren abgesehen- zu Hause sitzen zu müssen und auch der Winter bevorsteht treibt mir ein Tröpfchen Wasser in die Augen, sorry, ich bin halt sensibel und schäme mich dessen nicht.
Am Wegesrand finden sich wieder leckere Brombeeren und natürlich jede Menge Mais von dem ich nasche.
In Reinhardshagen liegt am Weg eine kleine Cafeteria wo ich eigentlich nur einen Kaffee trinken möchte, dann aber feststelle, die ist Thai geführt und bietet unter Anderem gebratene Nudeln mit Hühnerfleisch aus dem Wok an, wovon ich mir eine (ordentliche) Portion mit viel Fleisch gönne. Wie die Thai das machen, für € 4,30 bleibt mir ein Rätsel.
In diesem wie sich später herausstellen sollte schönen Städtchen Hann. Münden angekommen sehe ich den wohl längsten Kuss der Geschichte von Werra und Fulda (wo Fulda sich und Werra küssen) und gleich am Anfang der Fulda einen schönen CP.
Ich frage mich jedoch zunächst einmal zum Bahnhof durch, der oben auf dem Berg liegt um mich nach einer Verbindung von Kassel nach Düsseldorf zu erkundigen. Fehlanzeige, der Bahnhof ist geschlossen , und das um 15:00h? Also bediene ich mich des Fahrkarten Automaten und finde etliche mögliche Verbindungen mit dem Regionalzug.
So fahre ich den CP an und werde morgen nach Kassel fahren.
Zur Begrüßung hat man mir gleich mal die „Europa“ geschickt, was aber nicht nötig getan hätte, hätte ich zu Hamburger Zeiten gesagt.
Am Abend trinke ich noch ein Weizenbier und schlafe gut.
km 56,74

14. Tag, 15.08.2010

Als ich um 06:00h aufstehe, schläft um mich herum alles noch, die Zeltwiese auf der ich einer der ersten war, hatte sich noch mächtig gefüllt.
Es ist heute kein Morgennebel, das Zelt zum ersten mal pulvertrocken, na wenn das kein gutes Zeichen ist, trocken einpacken, schön.
Nach Frühstück und Morgentoilette folgt der Abbau, nutzt aber nix, ich muss trotzdem warten denn der Platzwart kommt erst um 08:00h, sonst bin ich meine 20 € abzüglich der Kosten Pfand für den Schlüssel den ich nicht brauchte los.
Ich habe Glück, Frau Platzwart kommt um 07:50h, ich erledige die Formalitäten und rolle um 07:55h vom Platz.
Bezüglich der zu fahrenden km nach Kassel ist man sich hier ziemlich uneins, mal sind es 22, 500m weiter 32 km, egal, ich düse also auf dem R1 durchs schöne Fuldatal, der Heimat der Rohloff AG.
Bei plötzlich einsetzendem starken Regen und etwas abenteuerlich über so genannte „Treppenstraßen“, die mit Anhänger recht beschwerlich zu nehmen sind erreiche ich Kassel Hbf. nach letztlich 32,71 km.
Der Automat sagt: beste Verbindung Regionalbahn Hagen, umsteigen Regio Düsseldorf 11:58h. Ein Blick auf den Plan zeigt mir Zwischenhalte im Sauerland an, heißt für mich obwohl ich das Ticket bereits in der Tasche habe, unterwegs womöglich in Olsberg auszusteigen und den Ruhrtal-Radweg Richtung Heimat zu nehmen um „meine Zeit“ noch etwas zu verlängern, und fahren will ich die Route schon länger.
Das zaubert ein Lächeln in mein Gesicht und da ich noch ca. 1 Std. Zeit habe, kehre ich bei der Bahnhofsbäckerei ein und stärke mich mit 1 Schnitzelbrötchen und na klar einem, nein 2 Pott Kaffee.
Ein am Nebentisch sitzender Eisenbahner empfiehlt mir, am Ende des Zuges einzusteigen, weil sich vorne immer viele Radler tummeln.
Gesagt, getan, alles läuft bestens, ein netter junger Mann ist mir Oldie sogar behilflich, nur der ständige Blick aus dem Fenster stimmt mich nicht glücklich, es regnet unaufhörlich, sollte mein Plan etwa nicht aufgehen, unterwegs auszusteigen?
Tja, es sieht ganz danach aus, denn war ich längere Zeit der einzige Passagier mit Fahrrad, werden es nun immer mehr, aber nicht wie sich herausstellt um zum Start ihrer Tour zu fahren, sondern weil sie die Tour wegen des Wetters abgebrochen haben.
Es nutzt also nichts, es schüttet wie aus Eimern und ich fahre bis Hagen, steige in der Kürze der Zeit -mein Zug hatte 10 min. Verspätung- um, komme in Düsseldorf an, und auch hier gießt es.
So lande ich klitschnass um 16:30h zu Hause.
Nachdem ich alleine unterwegs war wurde die Tour noch richtig schön, auch wenn der Wettergott nicht immer mit mir im Bunde war und schade, dass das mit dem Ruhrtal-Radweg nicht geklappt hat.
km 37,26

Hier gibt’s Bilder zur Tour
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