Radreisen

„Rundreise Düsseldorf, Rhein, Mosel/Moselle, Metz, Nancy, Champagne/Ardennen-Meuse, Verdun, Sedan, Charleville-Meziers, Liege, Maas, Maastricht, Roermond, Nijmegen, Emmerich, Rhein, Düsseldorf“.
Vom 04.06. bis 28.06.2010
ca. 1400 km, 100 Std. im Sattel, 4900 Hm

…einige Bemerkungen zur Einleitung

–      dies ist meine 7. Tour…und sie war Klasse!

–      meine erste Tour ohne jegliche anderen Transportmittel, Fähren  ausgenommen.

–      der zweite Versuch mit Reisepartner zu fahren, leider wieder gescheitert.

–      daher quasi im „Blindflug“, nur mit touristischen Info-Karten und einer kurzfristig noch ausgedruckten Routenbeschreibung von bikedoll.de (herzlichen Dank dafür) unterwegs, auch ohne GPS, hätte nichts genutzt (Aussagen von vier Reisebekanntschaften).

–      und da es einige wenige gibt, die mich bzgl. meines Gepäcks immer wieder belächeln, hätte ich diese gerne in der 2. Woche in Frankreich bei ca. 10° erlebt, sie hätten sich den A…h abgefroren. Daher bitte jedem das Seine.

–      Meine Bewunderung gilt Leuten wie von bikedoll.de, die das Gelände in den Ardennen als „leicht welliges Terrain“ oder „leicht hügelige Landschaften“ bezeichnen, für mich waren es richtige Berge (aber ich bin selbst schuld, hätte mich zuvor ja intensiver erkundigen können).

–      auch aufgrund von ständigem Gegenwind über 3 Wochen, dieser Saukälte, einer heftigen fiebrigen Erkältung und den teils für mich erheblichen Steigungen, stand ich gelegentlich vor der Aufgabe, da dies jedoch nicht meinem Naturell entspricht hab ich die Tour durchgezogen und das war gut so.

1. Tag  04.06.2010

Als ich um 07:50h Max (so nenne ich mein Bike, weil es sich um ein Maxcycles Town Lite handelt) mit Hänger und insgesamt 43 kg beladen bei schönem Wetter aus dem Stall geholt hatte,


und ich mich mit einem Lebendgewicht von 96,2 kg vor meiner Haustüre in Düsseldorf in den Sattel schwinge und los düse, war ich -obwohl ich wegen des Reisefiebers wenig geschlafen hatte- sehr guter Dinge.

(Was das Gepäck angeht, war es obwohl ich verschlankt hatte vermeintlich zu viel, jeder Gewichtsminimalist hätte mich beim Einpacken für verrückt erklärt.)

Schließlich sollte es ab Koblenz mit einem neuen Reisepartner weiter gehen. Georg, auch Anf. 60 hatte über ein Forum einen Reisepartner gesucht, ich habe mich gemeldet, weil die Tour die er fahren wollte, einer Tour die mir seit letztem Jahr vorschwebt recht nah kam. Eine Reisebekanntschaft meiner Wien Tour im vergangenen Jahr – Reimund aus Bonn, unterwegs mit Liegerad- hatte mir den Floh die Maas zu fahren ins Ohr gesetzt.

Ich fahre also den Rhein entlang gen Süden, überquere den Rhein auf der Brücke der A46 -> Dormagen, Köln, eine Strecke die ich häufiger fahre, daher fahre ich in Köln immer einen bestimmten Kiosk an um mir einen Kaffee zu gönnen. Diesmal hatte ich jedoch die Rechnung ohne die Polizei gemacht, denn auf den paar Metern die ich dazu auf dem Gehweg fahren musste brachten mir ein Knöllchen über 5 € ein.

Ich fahre wieder zum Rhein, vorbei an der Bastei und hoffe, das wie ich hörte mir entgegen kommende „drahteselchen“ zu treffen. Ich habe ihn leider nicht getroffen, Möglichkeiten sich zu verpassen gibt´s ja genug. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite sehe ich den CP auf dem ich mich 2 Wochen zuvor mit Georg getroffen hatte um alles zur Tour zu besprechen.

Georg, ein sehr netter Zeitgenosse, absoluter Minimalist, Weinliebhaber und -kenner war für „Low Budget“, was auch mir entgegen kam, schließlich sollte es diesmal keine „Schlemmertour“ wie die nach Wien werden.

Hinter Remagen führt mein Weg direkt am CP „Riesengebirgsblick“ vorbei und ich beschließe hier mein neues Zelt erstmals neben netten Nachbarn aufzubauen, und gönne mir nach dem Duschen noch leckeres Ajoli mit Weißbrot und ein Weizenbier.

gefahrene km 98,36

2. Tag 05.06.2010

Ich habe gut geschlafen, und mache mir zuerst einmal einen Cappu, dazu einen Energieriegel und eine Banane danach, mein übliches Frühstück unterwegs.

Beim Abbau hab ich ziemlich getrödelt, noch einen Plausch mit meinem Nachbarn, er war in Elternteilzeit, sie sorgte als Stewardess für das nötige Geld mit einem süßen kleinen Jungen dem sofort auffiel, dass meine Nase etwas groß geraten ist.

Aber ich hatte ja auch Zeit, denn ich musste schließlich erst um 16:00h in Kaltenengers vor Koblenz sein. Georg musste an dem Samstag noch arbeiten und wollte mich dort abholen.

Bei der Fahrt durch Weißenthurm fällt mir das Rhein Hotel auf, wo ich auf meiner ersten Tour vor 5 Jahren übernachtet hatte. Ich gönne mir eine Portion Kaffee und ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, „Low Budget“ kommt ja erst später.

Bei der Überquerung einer Holzbrücke bei Rhein-Km 629 fällt auf, dass rechts und links an den Pfeilern brennende Grablichter stehen.

In St. Sebastian fällt mir auf, dass ich Kaltenengers bereits passiert hatte, wende und fahre unter einer Eisenbahnbrücke durch, die ich vor 5 Jahren nach dem Besuch eines mir bekannten Etablissements zur Überquerung des Rheins benutzt hatte und überlege kurz ob ich das umgekehrt jetzt machen sollte, Zeit hatte ich ja noch genug. Aber nein, mir war nicht danach, daher suche ich mir ein lauschiges Plätzchen um ein kleines Nickerchen zu machen.

Georg kam nachdem wir telefoniert hatten und holte mich ab, er fuhr natürlich    „leer“ vorweg und mir fiel auf, dass Koblenz, zumindest sein Wohnort ziemlich bergig ist, oder wollte der „Gauner“ nur testen ob ich das mit meiner halben Lunge schaffe???

Aber auch auf späteres Nachfragen gab es keine Antwort, nur ein Lächeln.

Der nette Georg, der in einer WG lebt hatte leckeres Chili con Carne gekocht, nach dem Essen sind wir nochmal den Berg runter in einen Koblenzer Biergarten gefahren, haben etwas getrunken und ich konnte auf dem Sofa nächtigen.

gefahrene  km 63,15

3. Tag 06.06.2010

Wir sind zeitig aufgestanden und fahren nachdem wir „gesattelt“ hatten um 07:00h los. Georg fährt vor -er kennt sich ja hier aus- und wir fahren zunächst auf der rechten, vermeintlich schlechteren Moselseite. Dass dem nicht so ist, sondern in anderen Berichten oftmals nur zu lesen ist, weil es einige wenige km auf gut zu befahrenen Schotterwegen durch den Wald geht, schön sogar. Georg


tritt ganz schön in die Pedalen, -bewegt auch ca. 30 kg weniger- fährt eine hohe Trittfrequenz und es fällt mir nicht leicht zu folgen, es geht aber. Um 12:00h machen wir eine ½ Stunde Pause mit Energieriegel und Banane. Georg will heute Zell erreichen, wo wir den direkt zum CP führenden Wirtschaftsweg verpassen, und daher einen –für mich- Mörderanstieg auf dem Radweg neben der Bundesstraße fahren, wobei ich fast gestorben wäre, denn es ist 37,5° heiß, hinzu kommt der heftige Gegenwind, der mich die nächsten 3 Wochen begleitet. Bei einer kleinen Verschnaufpause fängt Georg an zu lachen und erklärt, dass er vor 2 Jahren das gleiche Problem an gleicher Stelle hatte. Wir erreichen den CP Zell um ca. 15:00h und werden schon beim Aufbau feucht, weil ein heftiges Gewitter Wind und Regen satt bringt. Nachdem Georg sein Mittagsschläfchen gemacht hatte, das Gewitter war vorbei und der Regen weniger, „kochen“ wir uns etwas. Ich hatte einige Packungen dehydrierte Nahrung (Werbung will ich nicht machen) die bei Expeditionen zum Einsatz kommt im Gepäck und muss sagen, es schmeckt tatsächlich nicht schlecht.

Georg, der große Weinliebhaber –und Kenner „muss noch was trinken“, und wir fahren zu einem Winzer,

wo wir uns in dessen „Lokal“, siehe Foto, eine Flasche Auslese, die recht schwer war gönnen und noch eine weitere Flasche mitnehmen, die wir am Grillplatz trinken. Ich vertrage das nicht besonders gut, weil ich dem Alkohol schon vor über 30 Jahren fast abgeschworen habe.

Km 90,63

4. Tag 07.06.2010

…schon früh geht´s los, wir hatten ja vor Zell schon auf die linke Moselseite gewechselt und fahren schön durch die Weinberge bis Traben-Trarbach, wo gleich am Ortseingang ein Lidl ist und ich „legales Doping“, sprich Energieriegel und Powerdrink einkaufe.

Gleich am Eingang ist ein Bäcker, wo wir ein kleines Frühstück einnehmen. Unterwegs treffen wir immer wieder –so wie das bei solchen Touren üblich ist- ein nettes Paar aus LEV, er mit Liegerad, sie mit Trike, auch mittags in Bernkastel-Kues, wo ja immer der Teufel los ist. Auf dem Parkplatz, den man automatisch befahren muss, stehen zahlreiche Imbißbuden und wir gesellen uns zu dem auch anwesenden Paar aus LEV und essen etwas. Weiter geht´s moselaufwärts zu CP nach Neumagen-Drohn, wo auch das „Römerschiff“


vor Anker liegt.

Auch das Paar trifft hier ein und baut wie wir gegen 15:00h auf. Während Georg seinen Mittagsschlaf hält, unterhalte ich mich sehr nett mit der jungen Frau.

Abends wollte Georg „kochen“, hat aber keine Lust und lädt im „Zum Anker“ zum Essen ein. Georg bestellt Hirschgulasch, ich esse nach Jahren mal wieder ein Jägerschnitzel, war lecker. Anschließend mussten es jedoch in der CP-Gastronomie noch 3 große Bier sein.

Km 76.01

5. Tag 08.06.2010
Als ich aufwache fühle ich mich wie gerädert, habe total schlecht geschlafen, weil ich nach der Unterhaltung gestern Abend nur darüber gegrübelt habe, ob ich mir vielleicht zu viel zugemutet habe und Georg evtl. „seine“ Tour kaputt mache. Georg möchte einen Schnitt von 17 km/h erreichen, was mich auf solchen Touren überhaupt nicht interessiert, ich will keine km schrubben sondern die Natur genießen, Land und Leute kennenlernen und schöne Fotos machen.
Aus diesen Gründen teile ich Georg mit, dass ich hier und heute aussteige, eine Pause einlege und alleine sehe was ich tue.
Damit ist der Versuch mit einem Reisepartner zu reisen nun zum 2. Mal gescheitert.
Er hat Verständnis, baut ab und fährt ab.
Daher sitze ich nun beim Frühstück im CP-Restaurant und komme dazu, aus der Erinnerung die Geschehnisse der letzten beiden Tage zu dokumentieren.
Ich hatte gegenüber Georg immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal wieder eine Pause brauchte und werde in Zukunft besser wieder alleine unterwegs sein, leider.
Nach dem Frühstück baue auch ich ganz in Ruhe ab, Uwe + Patricia, das Paar aus LEV sind schon fertig und reisen auch ab.
Bei mir wird es 10:30h, bis auch ich nun ganz unbekümmert in „meinem“ Tempo abfahre, vorbei an vielen von der „Saar-Mosel-Rhein-Tour 2008“ und „Moseltour-2005“ bekannten Orten und mache daher kaum Fotos. Um ca. 14:00h treffe ich in Pfalzel eine männliche Radlertruppe aus HH die bzgl. Radreisen viel fragen, wobei einer feststellt, dass mein HR platt ist. Es war ein Nagel in den ich gerade reingefahren sein muss.

Den Herren aus HH fällt dazu nichts besseres ein, als mir einen Vortrag über „unplattbare Reifen“ aufzwingen zu müssen. Ich baue das Rad aus und muss feststellen, dass ich den falschen Ersatzlauch im Gepäck habe, flicke, aber die Luft hält nicht. Beim Eintauchen in die Mosel findet sich ein 2. Loch. Ein freundlicher Herr, der das Ganze aus seinem Haus beobachtet hatte, bringt mir eine Schüssel mit Wasser, aber ich kriege das Ding nicht dicht, zumal es inzwischen auch noch heftig regnet.
Über Handy mache ich einen Radladen ausfindig um per Taxi einen neuen Reifen dort montieren zu lassen. Kosten 74,00 €.
Um 18:00h erreiche ich den mir bekannten CP-Treviris in Trier, der noch immer von der unfreundlichen dicken Frau geführt wird, baue auf, „koche“ ein Gericht aus der Tüte und einen Cappu. Danach fängt es aber auch richtig an zu schütten.
nur km 47,5

6.Tag 09.06.2010
Es hat die ganze Nacht wie aus Eimern geregnet, doch heute früh sieht es etwas besser aus und ich nehme das vorbestellte teure Frühstück -das noch genauso aussieht wie vor 2 Jahren- ein. In der Zwischenzeit ist das Zelt etwas abgetrocknet, abgebaut und um 10:00h geht´s los. Noch vor der Einreise nach Luxemburg wechsle ich auf die schöner zu fahrende rechte, deutsche Moselseite, decke mich in Nittel mit frischem „Baren“ ein und mir begegnen die ersten Vorboten Frankreichs in Form von etlichen Statuen franz. Künstler.


Ich fahre den CP gegenüber Remich an, wo ich auf meiner „Saar-Mosel-Rhein-Tour“ Station gemacht hatte und gönne mir einen Kaffee. In Remich liegt wie sehr häufig die „Princess Marie Astrid“ vor Anker, an Bord dieses Schiffes wurde am 14.06.1985 das „Schengener Abkommen“ der führenden europäischen Staaten getroffen.
Ich lasse Schengen rechts liegen und reise bei Apach auf dem „Chemin de la Moselle“ in Frankreich ein.


Hier kommt mir ein Schweizer aus Genf, unterwegs mit Rennrad + Extrawheel mit Ziel Amsterdam entgegen und tauschen ein paar Erfahrungen aus, „bon route“ und weiter geht´s durch die schöne Natur, denn hier in „F“ wird das ganze gleich ursprünglicher, urwüchsiger, natürlicher, man könnte auch sagen französisch eben. Nach längerer Zeit sehe ich sogar wieder mal Libellen.
Nach etlichen km lächelt mich auf der anderen Seite ein schöner CP an und ich denke nur schade, aber ca. 20 min. später kann ich über eine Brücke wechseln, nein ich muss sogar. Ich fahre also den CP in Malling an, der Betreiber sitzt „Cowboylike“, also mit Stiefeln auf dem Schreibtisch in seinem eher alpenmäßig anmutenden Receptionshäuschen und spricht gut deutsch. Für 6,75 € checke ich ein und finde einen schönen Platz neben einem in Bingen/Rhein geborenen Franzosen aus einem Vorort von Paris, der sehr nett ist, Freimaurer und Besitzer einer schönen BMW mit Beiwagen aus den 60ern fährt
...die BMW von Jean-Francois

und seine Geburtsstadt und eine Freundin in Arnsberg besuchen möchte.


Nach dem Aufbau bereite ich mir ein leckeres Essen -Ravioli aus der Dose-, einen Cappu, „unterhalte“ mich mit Händen und Füßen mit Jean-Fancois und freue mich des Lebens. Hier sieht man auch schön den -wie Georg sagte- dekadenten Hocker, den ich wegen meiner alten Knochen mitschleppe, er ist aber recht leicht.

Heute nur gemütliche
Km 68,51
7.Tag, 10.06.2010
Kurz nachdem ich gestern Abend meine Notizen gemacht hatte, fing es wieder kräftig zu regnen an und tut es noch, daher ist heute Ruhetag angesagt.
Ich fahre zwar auch -gerne sogar- bei Regen, habe aber absolut keinen Bock, total nass einzupacken.
Der CP ist zwar super, hat jedoch leider keinen Kiosk, nur ein so genanntes „Restaurant“. Auch in Malling kann man nach Info des Betreibers nichts einkaufen,
nur in Königsmacher. Dorthin zu fahren lohnt nicht, schließlich bin ich ja autark und habe alles dabei, sogar Wasser, wie die Holländer.
In den Sanitäranlagen wundere ich mich nicht, denn da waren sie, die typischen franz. Toiletten, wo man sein Geschäft in der Hocke erledigt und aufpassen muss, dass man das recht kleine Loch trifft und sich dabei nicht über die Füße pinkelt.
Es ist etwas langweilig, daher gehe ich mit Jean-Francois zu der franz. Fam. Müller -Herr Müller ist hier so etwas wie der Lakai-, wo ich Gelegenheit habe ins Internet zu gehen.


Zu Essen gibt´s heute Mittag „Makkaroni mit Emmentaler“ von „Knorr“, gut, Abends Expeditionsnahrung „Boeuf Stroganoff“. Beim üblichen Cappu hoffe ich, dass es morgen trocken ist.
Schei.e, es ist 19:45h gerade hab ich meine Notizen gemacht….und es fängt zu regnen an.
Km 0,00

8.Tag, 11.06.2010

    Es ist nicht zu fassen, von der Sonne werde ich geweckt, super. Jean-Francois und der gestern Abend noch angekommene Schwabe packen schon ein, ich bereite mir noch einen Cappu und verabschiede mich von Jean-Francois, der sich auf die Reise begibt.

    Jean-Francois reist ab


    Ich bezahle noch schnell für die letzte Nacht und ab geht die Post.
    Bis Thionville läuft alles gut, dann kommen viele z.T. schlecht beschilderte Umleitungen die tierisch nerven. Als ich glaubte endlich wieder in der Spur zu sein, kommt mir eine Frau auf MTB entgegen und bedeutet mir, dass bald das Ende des Radweges wegen Bauarbeiten an der Moselle kommt, hier wird alles kanalisiert.
    Sie malt mir zwar eine Skizze, stellt aber bald fest, dass ich wohl nichts verstehe, fährt voraus und zeigt mir den richtigen Weg, Danke an die nette Dame aus Ockange.
    Heute läuft es recht gut bei mir, nur mit den Radwegen ist das jetzt so ziemlich vorbei, so genannte Departementstrassen sind von kurzen, oft wegen der hohen Bordsteine nicht fahrbaren Radwegstückchen angesagt. Am Ortsausgang von Mondelange kaufe ich noch schnell bei Lidl Käse, Tomaten, Kirschen und Getränke ein -Baguette gibt’s nur beim Bäcker- und fahre weiter nach Metz.
    Auf dem Place Jeanne D`Arc trinke ich einen Kaffe und genieße die

    Place Jeanne D`Arc Metz


    typisch französische Atmosphäre. Von und in der Kirche am Place Jeanne D`Arc, wo laut Auskunft eines Herrn der Bischof gleich eine Messe für die jüdische Gemeinde hält, mache ich noch Fotos und fahre weiter zur Kathedrale von Metz,

    Kathedrale von Metz


    wo ich Anfang der 60er mit meiner 1. Frau, -zu der Zeit noch Freundin- schon einmal war nicht nur um das Rosettenfenster zu fotografieren.

    Rosettenfenster in der Kathedrale von Metz


    Leider können oder wollen die Metzer nicht sagen, wie ich aus Metz wieder herauskomme, es ist immer das Gleiche, in eine Stadt zu fahren ist einfach, raus mitunter problematisch.
    So aber komme ich auf meiner Irrfahrt noch am Centre Pompidou vorbei und finde schließlich einen netten Busfahrer, der mir den Weg –ich war auf dem richtigen- zeigt, einfach weiter geradeaus.
    CP´s jedoch sind hier in der Gegend Mangelware, ich habe die Nase voll und fahre in einen Feldweg südlich von „Blénod-lès-Pont-à-Mousson“ und finde ein richtig lauschiges Plätzchen direkt an einem kristallklaren Bach. Ja man muss auch mal Glück haben, in dem Bach nehme ich im Restlicht noch ein Bad und esse die bei Lidl eingekauften Sachen. Spannend, denn das ist meine erste Wild-Camp-Nacht.
    Im Schein meiner Taschenlampe mache ich noch meine Notizen und schlafe herrlich. Fotos konnte ich heute von diesem Platz nicht machen, ich wollte ja nicht auffallen.
    Km 105,04
    9. Tag, 12.06.2010

      Nach einer richtig guten Nacht an diesem wunderschönen Platz, ich bin früh wach, nehme ich noch ein kurzes Bad in „meinem“ Bach,

      ...mein erster Wildcampingplatz



      trinke einen Cappu und packe zusammen. Mit einem freundlichen „Bon Jour“ eines Anglers düse ich also um 07:30h los. Heftiger Wind bläst mir auch heute entgegen und es will nicht so richtig laufen. In einer Bar trinke ich einen Cafe au Lait únd studiere die Karte, die mir der Betreiber des CP Malling gegeben hatte. Gut, dass hierzulande die Bars schon so zeitig geöffnet haben, da spielen die Leute schon früh Lotto oder sonstwas, keine Ahnung.
      Nach dem gestrigen Tag macht sich mein Hintern bemerkbar und ich muss mich heute richtig quälen, aber es soll schlimmer kommen. So rolle ich in Nancy ein

      ...der Triumphbogen von Nancy


      Denkmal im Park von Nancy
      und schaue mich etwas um, ein im Park sitzender Typ gibt vor Deutscher zu sein, ist jedoch wohl obdachloser Pole der nur eines will, Geld.
      Laut Routenbeschreibung von bikedoll.de muss ich um an die Meuse -sorry, aber die Maas heißt hier und in Belgien so- zu kommen nach Villers-lès-Nancy und eine Wasserscheide mit ca. 350 hm auf kurzer Distanz überwinden. Nun bin ich ja alles andere als eine Bergziege, aber was soll´s, mir kam es vor wie der „Tourmalet“ bei der „Tour de France“, aber mit „Schiebung“ hab ich´s auch wenn es gedauert hat geschafft. Danach folgte eine rasende Abfahrt nach Maron,

      Maron Moselle


      bei 51 km/h hab ich angefangen zu bremsen, mit Anhänger war mir schneller zu gefährlich auch wenn er schön hinterher lief. In Maron sollte mich ein sehr schöner Radweg erwarten, ich Trottel hab ihn jedoch nicht gleich gefunden sondern befuhr zunächst einen Weg mit einem Schlagloch neben –und hintereinander. Mit einem deutlich hörbaren „Knack“ und dem nachfolgend typischen Geräusch war eine Speiche weg.

      ...da fehlt die Speiche


      Danach fand ich dann den wirklich schönen Radweg

      vor Villey-les-Sec


      und fuhr gegen 18:00h den CP in Villey-les-Sec an.
      CP Villey-les-Sec
      Weil ich morgen Sonntag nichts repariert kriege, werde ich einen Ruhetag einlegen, ich hab es mir verdient.
      Geschmeidige km 63,96
      10.Tag, 13.06.2010

        Nun sitze ich hier am Sonntag auf dem CP Villey-les-Sec der die Note „unfreundlichstes Personal“ bekommt wenngleich er sehr schön ist, bei 24,5° dumm rum, in der Mosel badet einer seit Stunden einen ca. 15 cm langen toten Fisch an seiner Angel, ähnlich wie mein Gegenüber am Place Jeanne D´Arc in Metz seinen Teebeutel und ich komme mir vor wie in der Wildnis.
        Keine Zeitung, kein Buch, kein Kiosk, kein Handyempfang, null, nix, von wegen „wohin sie auch reisen, BILD ist schon da“, nada. Ich weiß nicht mal ob für uns die WM schon begonnen hat. Selbst der Cappu ist alle, dafür gibt´s ab und zu einen Kaffee türkisch.
        Da ich ja autark bin, gab es heute Mittag „Fussili a la Napolitana“ von „Mamma Gina“.
        In einem Hand und Fuß Gespräch mit einem gegenüberliegenden älteren franz. Dauercamper gibt mir dieser zu verstehen, dass er mich mit meinem ausgebauten HR zur Reparatur nach Toul fährt

        ...das ausgebaute Hinterrad


        und „D“ heute Abend gegen Australien spielt, der hat ne Zeitung, die ich aber nicht lesen kann.
        Der Platz hier ist stark frequentiert von durchreisenden Holländern mit Wohnwagen, Zelten, Wohnmobilen die immer alles mitführen, sogar ihr Trinkwasser und bestellen auch für den nächsten Tag weder Baguette oder Croissants.
        Ich war gerade in dem kleinen zum Restaurant gehörenden Shop, als zwei junge 18 und 19 jährige Engländer mit RR ankamen. Richtig nette ordentliche Jungs die neben mir ihr Zelt aufschlugen. Mathew fuhr ein vom Onkel geliehenes, 40 Jahre altes „Holtsworth“, Martin hatte sich bei ebay ein RR ersteigert.

        Martin aus London


        Die beiden kamen aus London und waren auf dem Weg nach Venedig, ihr gesamtes Hab und Gut hatten sie mangels Fahrradtaschen in gelben Plastiksäcken verstaut, lustig, denn so würde von uns so schnell keiner losfahren. Aber es ist lt. Einem GB-Eintrag auf meiner HP alles gut gegangen.
        Nach dem Essen, bei mir gab´s Expeditionsnahrung „Zigeunertopf“

        Martins Höllenmaschine (Kocher)


        Martin kochte mit seiner Kocher Höllenmaschine Cous Cous mit Rührei, der konnte das, super. Anschließend verbrachten wir einen gemütlichen Abend im CP-Restaurant und konnten das 4:0 Deutschland./.Australien sehen.
        Dabei gab´s einen Pastis/Cola.
        Zurück am Platz, da waren 2 ältere Ehepaare mit Rädern aus Holland angekommen, gut ausgerüstet, Kompliment, stramme Leistung.
        Was für´n Quatsch, bin doch selbst ein alter Sack.
        Km 0,00
        11.Tag, 14.06.2010

          Um 06:30h bin ich schon munter und stelle fest, ich hätte trocken abbauen können.
          Martin und Mathew bauen ab, packen ihre 7 Sachen wieder in die gelben Säcke und fahren gen Venice.

          Martin & Mathew


          Die Betreiberin des Platzes, die einzige Person mit der ich mich auf englisch verständigen kann und mein Problem kennt, kommt erst um 10:00h, nein, man sieht das hier ganz locker und kommt 15 min. später, um nach weiteren 15 min. Suche eine Nummer wählt und mir erklärt: „no one there, but that is usual in France, may be by 2 o´clock”.
          Somit sitze ich hier nutzlos wegen einer gebrochenen Speiche den 2. Tag im „Mutterland des Radsports“ ? rum und langweile mich, nur gelegentlich gibt´s nen „Kaffee türkisch“ und zu Essen „Penne mit Broccoli“.

          ich mit Kaffee


          Penne mit Broccoli


          Der nette franz. Dauercamper von gegenüber ist ob der Betreiberin leicht genervt und meint gegen 14:00h nach Toul zur Reparatur zu fahren.
          Toul als Stadt macht auf mich einen guten Eindruck, ändert aber nichts an der Tatsache, dass die 3 in Frage kommenden Radläden dicht sind, eben die Friseure Frankreichs.
          Man redet immer über die deutsch-französische Freundschaft, mit Ausnahme des Dauercampers von geg. habe ich allerdings eher den Eindruck, „die mögen uns nicht“, auch wenn der morgen nicht kann.
          Es ist saukalt geworden in Frankreich, die Temperaturen liegen um 16° und es hat begonnen zu regnen und so vertrödel ich die Zeit unter einem Unterstand auf dem CP, denn meine Überlegungen ohne die Speiche los zu düsen laufen ins leere, mit dem Gewicht evtl. problematisch.
          Bei einem kleinen Spaziergang über den Platz sehe ich bei einem Holländer ein Fahrrad mit ausgebautem HR ohne Mantel und klopfe sogleich an, erkläre mein Problem und sie bieten sich an, mich morgen mitzunehmen nach Toul.
          Km 0,00
          …es geht weiter sobald ich zurück bin.

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