Neckar-Rhein-Lahn-Sieg

Also, den Neckar mal unter die Räder zu nehmen, schwirrt mir schon etwas länger im Kopf rum, nicht erst, seit ich zum Ende der Tour de Ruhr Sporky, den Kumpel von Paule in Duisburg traf, der mir erzählte, dass er in Kürze den Neckar fahren wird, sondern weil ein Teil der Strecke Erinnerungen an meine Kindheit hervorrufen, später wird davon zu lesen sein.

Verstärkt wurde der Wunsch, als Sporky mir bei einem späteren Zusammentreffen erzählte, dass die Tour Super gewesen sei.

Wie bereits erwähnt, war das Wetter ja nun auch nicht das Beste in der letzten Zeit, und ich saß meist untätig zu Hause.

Und just als sich die Wetterlage besserte, standen Arzttermine an, die ich dann ja um 4 Wochen verschoben habe.

Ich begab mich also zum Hbf. und kaufte zunächst mal ein Ticket nach Schwenningen, wo der Neckar entspringt.

Mit dem Ticket in der Tasche zu Hause, hab ich mir erst einmal die Karte angesehen und festgestellt, dass sich die Tour gut ausdehnen läßt, auf Lahn und Sieg.
Was ich mir Flussstrampler = Flachlandtiroler der früher Steigungen gemieden hat wie der Teufel das Weihwasser da zugemutet habe, Au Backe.
Des Weiteren sollte diese Reise dazu dienen, die Fähigkeiten meines neu erworbenen Falk Ibex 30 und die Haltbarkeit meiner Laufräder mit den Messerspeichen zu testen.
Meinen kompletten Antrieb mit Rentnerritzelpaket 12-36 hatte mir der freundliche von Nebenan ja gerade erneuert.
So, nun will ich Euch nicht länger auf die Folter spannen, es geht looos.

Tag 1, 09.08.2011
Wie üblich, schlafe ich vor einem Ereignis wie einer Radreise denkbar schlecht, zumal ich ja auch schon um 04:00h aufstehen muss.
Zuviel geistert mir im Kopf rum, ob ich auch nichts vergessen habe, Quatsch eigentlich, denn ich fahre ja in Deutschland, wo an fast jeder Ecke ein Laden lauert, in dem man alles was man so braucht kaufen kann.
Der erste Blick vom Balkon verrät Trockenheit, ich gehe nochmal alles durch, schlürfe meinen Kaffee und bringe mein Rad in Stellung.
Pünktlich zur Abfahrt setzt aber dann doch Regen ein , der mich jedoch von meinem Vorhaben nicht abhalten wird.

So radle ich los, die Prinz-Georg-Str. Richtung Hbf. und wundere mich, warum die Autos so dicht an mir vorbeibrettern, kein Wunder, denn wie ich später feststelle, leuchtet mein Rücklicht nicht.
Ich bin wie üblich überpünktlich um 06:00h am Bahnsteig, der Zug geht um 06:27H.

Nachdem ich mein Fahrrad nebst Gepäck im letzten Abteil des Zuges verstaut hatte, begab ich mich auf meinen reservierten Platz, dem letzten in diesem stickigen Abteil, wenngleich an anderer Stelle reichlich Platz gewesen wäre, hatten sich hier auch noch 2 recht füllige Pendler (bis Köln) eingerichtet.
Hinter Köln kam ich dann mit 2 Herren, ebenfalls Radler aus Duisburg ins Gespräch, die über Mainz nach Wertheim unterwegs waren, um von dort das liebliche Taubertal zu befahren.
Einer der Beiden, von Beruf Lehrer, und wie ich Drummer, jedoch im Gegensatz zu mir noch aktiver Rockmusiker, bekundete sein Interesse, mit mir gelegentliche Touren zu fahren. Wir tauschten Kontaktdaten aus, mal sehen was daraus wird.

Auf dem Stuttgarter Hbf. beim Umsteigen lernte ich noch Vater und 12j. Sohn auf dem Weg nach Neustadt aus Hennef an der Sieg kennen, der Sohn wollte gerne mit seinem Vater dort radeln, wo die Leute sich „Grüß Gott“ sagen.

Als ich schließlich um 13:25h in Schwenningen aus dem Zug steige und mein Roß gesattelt habe, war ich zwar etwas kaputt, aber was soll´s, weiter geht´s.

Auf Nachfrage erklärt mir der einzige Taxi-Driver am Bf., dass der Neckar in einem Moorgebiet „entspringt“, welches aber aufgrund einer Ausstellung nur gegen Bares zu betreten ist.
So düse ich also los, übersehe prompt eine Abzweigung (das Navi läuft nur als Tripcomputer) und fahre so über die ersten 1700 Hm.
Kurz vor Oberndorf nach einer rasanten, langen Abfahrt ruft Nick an und fragt nach ob ich bereits unterwegs bin, und genau in diesem Oberndorf fahre ich kurz darauf an einem Zeltplatz vorbei, wo ich mich am dortigen Kiosk gleich einmal mit einem Kaffee stärke und dazu entschließe, hier mein Zelt aufzuschlagen, zumal dunkle Wolken aufziehen.

Die Betreiberin des Kiosk aus dem ehemaligen Jugoslawien, wie auch die anderen Gäste hier nur gebrochen deutsch sprechend, verrät mir dass ich hier auch etwas zu Essen bekommen könne, und empfiehlt „rote Wurst = Bockwurst“ oder Paprikawurst die ihr Mann gerne ißt. Ich entscheide mich für die Paprikawurst, die wohl mehr an Chili erinnerte, verdammt scharf.
Nachdem ich aufgebaut hatte, und mir noch ein Weizenbier gönne, kommt tatsächlich noch weiterer Zeltplatzbesuch, ein Elternpaar mit 2 Mädchen und 2 Jungs im Alter von 12-15J., bauten 3 Zelte auf und fingen gleich auf dem Grillplatz hinter dem Kiosk zu grillen an.
Zum Glück waren die Sitzbänke beim Grill überdacht, denn es fing mächtig an zu schütten.

Ich lag schon im Zelt, als der Vater höflich fragte, ob er mir ´ne heiße Bratwurst geben könne, na klar, und mann war die lecker.
Den einzigen Schlüssel für die Sanitäranlagen mußten wir uns teilen, denn ab 22:00h mußten die abgeschlossen sein, Duschen suchte man im Übrigen vergebens.

Km 50,61

Tag 2, 10.08.2011
Soweit ich das beurteilen kann, hat es so ziemlich die ganze Nacht über geregnet was der Himmel so hergibt, schließlich gehöre ich inzwischen auch zu den Männern die nur davon träumen, dass sie Nachts weniger müssen müssen, wenn ihr versteht was ich meine.
Doch als ich mich heute früh aus meiner Penntüte schäle, war es draußen erstaunlich ruhig, und wie ich später bemerke sogar bis auf die Restnässe trocken.
Der Toilettenschlüssel war weg, aber das Gebäude offen.
So kann ich dann nach meinem Cappu meinen Geschäften nachgehen, und in Ruhe abbauen.
Bei meiner Abfahrt stelle ich noch fest, dass es hier sogar Fahrradgaragen gibt, und ich Max habe im Regen stehen lassen, unfair denke ich.
So starte ich um 09:10h und begegnete noch der Betreiberin, die mir auf Nachfrage erklärte, dass in ca. 300m das Cafe Melber* ist, wo ich etwas zu Essen bekäme, ich war ja gestern nicht mehr zum Einkaufen gekommen. (*nicht zu empfehlen)
Im besagten Cafe ordere ich ein Kännchen Kaffe (Pott gab´s nicht) und ein belegtes Brötchen. Die Inhaberin servierte mir ein schlaffes, helles Brötchen, welches sich über einige Minuten längeren Aufenthalts im warmen Backofen gefreut hätte mit 2 Scheiben einfacher Wurst nebst Kaffee und verlangte 6,50 €. In unseren Breiten hätte man es mit den Preisen und der Qualität eher in die Pleite, denn zu Cafe, Konditorei und Hotel gebracht denke ich mir mal.
So ziehe ich weiter meines Weges, der mir bisher schon einiges an Schönem, wie z.B. die Musikstadt Trossingen –bedingt durch meinen Verfahrer-, Rottweil mit seiner schönen Altstadt, wo die Römer sich bereits gut getan haben, und wunderschöne Landschaften beschert hat und überhole zunächst ganz lässig ein Radlerpärchen mit Hartschalenköfferchen auf dem Gepäckträger. An der nächsten Steigung jedoch zogen die locker an mir vorbei und ich denke „Hoppla“, bis mir auffällt, daß die Pedelecs fahren.
Unterwegs erlebt man so richtig den schwarzen Wald, mal mit dem Neckar auf Augenhöhe, dann wieder hoch über ihm, da taucht vor mir ein wunderschöner Grillplatz mit Hütte auf, Paule hätte gejubelt vor Freude, Paule, die wußten schon 1971 dass wir eines Tages hierher kommen. Trockenes Holz war sogar auch vorhanden.
Eine folgende Beschilderung bedeutete steil hoch zu fahren, wo der Pedelec-Mann ganz ängstlich fragte: „da hoch???“ Ich rief nur noch jaaa und trat in die Pedale. Ich habe das Pärchen nicht mehr gesehen. Dafür traf ich aber ein Ehepaar aus Holland, die beklagten die vielen Steigungen. Da sie mir entgegen kamen und weiter wollten, konnte ich ihnen keine guten Aussichten bereiten (später mehr).
Plötzlich taucht in dieser wunderschönen Landschaft, in der ich glaube andere Strukturen als in anderen Bundesländern vorwiegen, mit jeder Menge Obstbäumen usw. eine Burg auf, nein es ist keine Burg, sondern das Schloss Weitenburg in der Gemeinde Starzach.
An einem Zwetschgenbaum labe ich mich an Zwetschgen, wobei die besten (süßesten) nicht am Baum, sondern darunter liegen, für Äpfel und Birnen ist die Zeit leider noch nicht reif, schade.
Ich erreiche die Universitätsstadt Tübingen, und befrage mein Navi erfolgreich nach einem CP, denn ich werde direkt, wie auch später zu Lidl geleitet, toll.
Abends kann ich mir bei einem Weizenbier im CP-Restaurant bevor ich Schlafen gehe noch das gute Fußballspiel Deutschland ./. Brasilien ansehen.
Km 77,36

Tag 3, 11.08.2011
Als ich heute früh den Reißverschluss öffne, erwartet mich ein schöner Sommertag, der meine ohnehin gute Laune noch zu steigern vermag.
So schwinge ich mich nach der üblichen Zeremonie Waschen, Cappu etc. ein Liedchen pfeifend auf Max und düse durch die wirklich schöne Altstadt raus aus Tübingen wieder durch eine wunderschöne Landschaft den Neckar entlang. Steigungen sind hier wenn überhaupt moderat.
Ich streife Reutlingen bei der Klostermühle, vorbei an Neckarenzlingen, durch Nürtingen, -hier wuchs das Lästermaul Harald Schmidt auf- und steuere auf Plochingen zu. Hier wechsle ich wieder die Neckarseite, um durch die Altstadt zu fahren, wo ich mir gegenüber dem Hundertwasserhaus eine kleine Rast mit Kaffee gönne.
Obwohl ich ziemlich langsam unterwegs war, rolle ich bereits gegen 14:00h in Esslingen ein, wo ich von einer Bank aus mit Nick telefoniere. Er empfiehlt, mir die schöne Altstadt von Esslingen, ein guter Tipp wie sich zeigt, anzusehen weil er noch bis 16:00h arbeiten muss und verabreden uns an der Schleuse Obertürkheim. Hier ist gerade Zwiebelfest, und ich traue meinen Augen kaum, hier fahren doch tatsächlich noch O-Busse, auch Trolleybusse genannt, die junge Leute oft schon gar nicht mehr kennen. Nach einem ausgiebigen Rundgang durch die schöne Altstadt mache ich mich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt, wo ich ab 16:00h auf Nick warte.
Während ich da so sitze und vor mich hin träume erklingt ein freundliches „Hallo“ von dem netten holländischen Ehepaar von gestern. Beim Smalltalk erzählen sie, dass ihnen die Steigungen doch zu heftig waren „wir sind doch Holländer“ und per Zug von Horb zurück gefahren sind.
Da kommt auch schon Nick, und mir wird gleich klar, hier hat man sich Gedanken über meinen Besuch gemacht, was auch vortrefflich gelungen ist, nochmals Danke Euch Beiden.
Nach kurzem „beschnuppern“, fährt Nick vor und macht mit mir eine halbe Stadtrundfahrt, vorbei an dem riesigen Mercedes-Benz Areal mit Konzernzentrale, Museum, Arena usw. durch den Stadtpark, wo ich eine Wasserschildkröte in freier Natur sehe. Während der Fahrt mit angeregter Unterhaltung bereitet mich Nick schon darauf vor, dass der „Besen“ den wir aufsuchen wollen ziemlich hoch liegt. Mit „Besen“ werden hierzulande „Straußwirtschaften“ bezeichnet, wo Winzer ihre eigenen Weine und dazu natürlich landestypische Spezialitäten wie z.B. Maultaschen, Ochsenmaulsalat, Wurstsalat, Backstoikäs und vieles mehr zum Verzehr anbieten. Hier bin ich genau richtig, denn schon in meiner Kindheit habe ich Ochsenmaulsalat förmlich geliebt.
Der Besen liegt wirklich ziemlich hoch, aber wir erreichen ihn auch mit etwas „schieben“.
Mein Vorsatz, max. 2 Viertele zu trinken scheitert jedoch kläglich (am Ende waren es wohl 8), zumal nachdem Nick´s Frau noch eingetroffen ist es ein richtig gemütlicher Abend wurde.
Doch der Abend sollte hier noch nicht enden, denn Nick´s Frau hatte zu Hause noch Schweinebraten vorbereitet, den wir uns jedoch durch eine nicht ungefährliche (weil angetrunken) Abfahrt und noch heftigere Steigung erarbeiten mußten, dann auch noch mit reichlich Wein verdrückt haben, lecker.
Dann aber ging´s nachdem ich sämtliche Akku´s zum Laden eingesteckt hatte in´s Bett.
Guat´s Nächtle!
Km 84,70

Tag 4, 12.08.2011
Gut ausgeschlafen wache ich um 07:00h auf, um mich herum ist noch alles ruhig, auch die Katzen tun noch das, was sie eigentlich fast immer tun, schlafen.
So schleiche ich mich begleitet von leichtem Kopfschmerz –das letzte Viertele war wohl zu viel- ins Bad, in der Hoffnung, die Dusche tut ihr Mögliches, war nicht, so werden die heute folgenden Alkoholverdundungsstunden diese Arbeit nebst einer Aspirin verrichten müssen.
So langsam werden auch meine Gastgeber wach, Nick bereitet starken Kaffee, eine Scheibe Brot reicht mir am Morgen und packt mir noch ein gewaltiges Lunchpaket mit Eiern und allem was dazu gehört. Seine Frau schenkt mir noch ein Paar nagelneue Handschuhe, und mit aufgeladenen Akkus bringt Nick mich auf dem Weg zur Arbeit noch auf meinen richtigen Weg.
In Remseck, dort wo die Rems in den Neckar mündet überquere ich eine interessante Brücke, um auf die linke Neckarseite zu gelangen.
Vorbei an Ludwigsburg und Marbach, hier verlasse ich den Neckartalweg, aus persönlichen Gründen fahre ich durch das Bottwartal und gelange schließlich nach Steinheim an der Murr.
Hier überrascht mich ein Technik-Denkmal besonderer Art und die Emotionen kochen in mir hoch, diese Lokomotive hat mich in meiner Jugend mit Sicherheit oft, wie auch einen späteren Ministerpräsidenten des Landes BaWü Lothar Späth, den wir wegen seines Aussehens „Professor“ nannten, nach Heilbronn zum Gymnasium befördert, er ist nur 6 Jahre älter als ich.
Nachdem ich mich in einer Bäckereifiliale mit einer Laugensemmel, belegt mit einer fast 2 cm dicken Scheibe feinstem Leberkäs für nur 1,80 € + Kaffee gestärkt hatte, ging es vorbei an der Burg Lichtenberg in Oberstenfeld und Beilstein mit der Burg Hohenbeilstein auf der rechten, und dem Wunnenstein auf der linken Seite in mein geliebtes Ilsfeld. Hier mache ich eine ausgedehnte Rundfahrt, vieles hat sich hier natürlich geändert, aber bei mir immer noch in guter Erinnerung, auch in der König-Wilhelm-Strasse 66 wo ich in der 1. Etage 7 Jahre lang wohnte.
Am alten, längst als solcher ausgedienten Bahnhof treffe ich auf ein altes Ehepaar, beide noch sehr rüstig, wenngleich der Herr im Rollstuhl von der Tochter in meinem Alter geschoben wurde. Diese Herrschaften erinnerten sich an meine Eltern und mich, war ich doch schon in meiner Jugend für manchen Schabernack gut. Sie baten mich, mit Ihnen in der Bahnhofsgaststätte zum Essen zu gehen, wo wir über die alten Zeiten nett geplaudert haben.
Mit einer gehörigen Portion Wehmut zieht es mich weiter, entlang dem kleinen Flüßchen Schozach, welches früher im Winter ab und an zugefroren zum Schlittschuhlaufen einlud. Man durfte nur nicht zu dicht an die Mühle fahren, dort sah es durch den gefrorenen Schaum gespenstisch aus, trug aber nicht und man lag wie ich im Wasser.
Auf meinem weiteren Weg komme ich durch Talheim, wo ich einst zur Kommunion ging, nach Heilbronn, fahre zum Rathaus und der Kilianskirche, hier war mir einst alles sehr vertraut, doch hat sich in den vergangenen 55 Jahren derart viel verändert, dass mir nur noch die Gebäude in bester Erinnerung waren.
Der Weg raus aus Heilbronn ist mir nicht in bester Erinnerung, aber das herrliche Bad Wimpfen entschädigt genau so, wie die am Weg liegenden Weinberge und Zwetschgen, an denen ich immer wieder mal naschen muss und rolle in Gundelsheim ein.
Hier gibt es einen CP, geführt von einem total tätowierten Altrocker mit sehr junger Freundin, oder war´s die Tochter? Der Kiosk ist nach Ihrem Bekunden nach einem Hochwasser vor 15 Jahren geschlossen, aber es gibt Lidl.
So baue ich auf, fahre einkaufen, esse etwas, vor Allem ein grooßes Eis und lasse den Abend am Neckar sitzend ausklingen.
Km 88,20

Tag 5, 13.08.2011
Als ich am heutigen Morgen nach einer im Gegensatz zu den bisherigen Zeltnächten, lauen Nacht aufwache, verrät mir der Blick auf meinen Ticker 07:00h, Datum 13.08. 13.08. denke ich, da war doch was, richtig, heute vor 50 Jahren teilte man das deutsche Volk durch den Mauerbau. Ich sehe noch heute den NVA-Soldaten über das bis dahin Mäuerchen und Bewohner aus Ihren Fenstern in die Freiheit, teilweise aber leider auch in den Tod springen. Erinnerungen, die man nicht los wird, aber das ist ein anderes Thema.
So bereite ich meinen Cappu, dazu ´nen Müsliriegel und eine Banane, während ich mein Zelt bereits trocken einpacke und verlasse Gundelsheim, das mir früher nur durch sauer eingelegte „Gundelsheimer Gurken“ ein Begriff war mit einem letzten Blick auf Schloss Horneck als ich den Neckar wieder überquere. Ich befahre die linke Neckarseite, wo die nächste Burg, Burg Guttenberg bereits zu sehen ist, kurz darauf fahre ich an der mittelalterlichen Heuherberge in Haßmersheim vorbei, und vergesse von dem schönen Gemäuer ein Foto zu machen.
Über Neckarelz*, Neckargerach, Zwingenberg, und Rockenau -wo ich eine kleine Rast einlege-, erreiche ich das schöne Eberbach. *ab hier wird’s wieder lustig, hügelig ist sanft ausgedrückt, wir befinden uns im Odenwald. Heftiges auf-und ab sind die Folge. Ich fahre durchs Bärlauchland, mit vielen Info-Tafeln, die dies erläutern, und urigen Radwegen.
An meinem bisherigen Weg liegen, und lagen so viele kulturell interessante Bauten, dass ich mich darüber wundere, solche Dinge früher nicht in der heutigen Form wahrgenommen zu haben, da wird mir klar, dass ich schon immer einen Blick für schöne Dinge hatte, sich dieses Bild nur verschoben hat, früher waren es schnelle Autos und schöne Frauen, heute sind es kulturelle Dinge die meinen Blick schärfen.
Und urplötzlich, während ich so träumerisch und gedankenverloren vor mich dahin radle, taucht es vor mir auf, das Heidelberger Schloss, das nächste Kulturdenkmal. Hier habe ich schon mal den Geburtstag eines Firmeninhabers eines in den 60er Jahren von mir vertretenen Heidelberger Unternehmens gefeiert. Eine tolle Stadt, dieses Heidelberg, welches nur durch die enorm vielen Touristen etwas „verschandelt“ wird. In meiner Bilderserie gibt es davon einiges zu sehen.
Auf meinem weiteren Weg gelange ich in eine Stadt, die mir bisher nicht viel gesagt hat, aber einen guten Eindruck bei mir hinterlässt, später wird davon noch zu lesen sein.
Dass es in Mannheim einen CP gibt, weiß ich seit Ende der 50er, nur gibt es den oder einen anderen heute noch? Die Antwort ist ja, denn auf der Fahrt in Richtung Neckarmündung fahre ich schnurstracks hindurch.
Vor der Rezeption sitzt Addl, der Rocker und Betreiber des CP, mit dem ich mich gleich gut verstehe, er funkt auf meiner Welle, der alte Rocker, der noch immer Harley fährt.
Auf meine Frage in welchem Bundesland ich mich befinde, BaWü, Rheinland-Pfalz oder Hessen meint er nur „mir san Monnemer“.
Nachdem ich aufgebaut hatte bereitet mir Addl noch 2 Super Currywürste mit Pommes zu, und ich lasse den Tag bei einem Weizenbier ausklingen.
Km 96,11

Tag 6, 14.08.2011
Trotz eines mir für heute verordneten Ruhetags bin ich schon früh auf den Beinen, trinke den ersten Cappu, und noch einen und beschließe, meinem neuen Falk Ibex eine Aufgabe zu stellen, und mich nach Speyer zu führen.
Die Strecke ist berechnet, und los geht´s mit leichtem Bike, ohne Gepäck, mitten durch das Areal der SAP-Arena, hin zu der Fähre Altrip, die mich zur anderen Rheinseite bringt. Der Rhein hat mich also wieder. Der Ort Altrip liegt recht verschlafen da, nur an einem Supermarkt herrscht Betriebsamkeit, obwohl heute Sonntag ist. Die Bäckereifiliale hat geöffnet und lädt zu einem kleinen süßen Snack mit Kaffee ein. Weiter geht´s zunächst auf einer Landstraße, dann auf Feld-und Wiesenwegen, wo plötzlich vor mir ein Ungetüm von Landmaschine mir den Weg versperrt. Dieses Teil erntet Möhren, und sofort stellt sich mir die Frage, wie viel Möhren muss das Ding wohl ernten bis es sich amortisiert hat.
Heute ist ein richtig schöner, warmer Sommertag, was dafür sorgt, dass viele Radler unterwegs sind, vermutlich auch mit Ziel Speyer. Gleich beim Einrollen in Speyer läuft mir ein Landsknecht vor die Linse, der mir erklärt, dass seine Vorfahren vor 900 Jahren mit 48 Mann hier den Aufstand geprobt hätten, ohne Erfolg. Dass man dieses Ereignis nun aber immer wieder feiern würde.
Ich gelange zum Dom, in dem gerade eine Messe gelesen wird und komme daher nur zu einigen Außenaufnahmen, muss aber feststellen, dass der Dom zu Speyer zwar durch seine Baukunst, nicht aber Fenster besticht.
Dann gibt es hier noch das bekannte Technik-Museum, welches jedoch auf mich nicht sonderlich wirkt, weil man hier m.E. mit den hohen Eintrittsgeldern nicht das tut was ein Museum eigentlich tun sollte, nämlich die Ausstellungsgegenstände zu pflegen, vieles rottet hier vor sich hin, schade.
Die Rückfahrt berechnet -bedingt durch einen Bedienungsfehler meinerseits- das Navi anders, nämlich über die Fähre Brühl, dennoch komme ich gut zum CP zurück.
Es ist noch früher Nachmittag, so fahre ich noch einmal etwas Neckaraufwärts nach Ladenburg, welches von der Historie her mit Trier vergleichbar sein soll, und tatsächlich, dem ist so, mir jedenfalls hat es super gut gefallen, ein paar Fotos werden das zeigen.
Im Anschluss genieße ich den schönen Abendhimmel über dem CP-Mannheim bei einem Weizenbier.
Km 80,99 trotz so genanntem Ruhetag

Tag 7, 15.08.2011
So weit ich es mitbekommen habe, hat es die letzte Nacht geschüttet, was das Zeug hält, doch oh Wunder als ich gegen 06:30h aufwache, fallen nur gelegentlich noch ein paar Tropfen, so dass ich verhältnismäßig trocken einpacken kann.
Addl, der Platzhirsch ist inzwischen auch an seinem Rezeptionshäuschen, wir trinken noch einen, nein zwei Kaffee „auf Haus“, ich zahle, während mein Ibex30 die Route berechnet, schwinge mich in den Sattel, sage tschüss und düse los.
Mein Weg führt letztmalig über eine Neckarbrücke ohne noch lange durch die Stadt zu fahren in ein Waldgebiet. Die Wege sind zwar durch den Regen aufgeweicht, aber gut befahrbar, das Navi hat offenbar gute Arbeit geleistet, bravo. Umgeben von schöner, frischer Luft kommt Wehmut in mir auf, der Neckar hat mit seinen Reizen -nicht nur wegen meiner Jugenderinnerungen- Spuren bei mir hinterlassen, und ich verspreche wiederzukommen, wenn man mich läßt.
Da mir niemand mehr in die Planungen meines Lebens reinreden kann, meine ich mit „man“ meine Gesundheit und persönliche Fitness, die ich täglich versuche nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern noch zu steigern.
Über Feld-und Wiesenwege rollend, taucht vor mir die Silhouette der Domstadt Worms auf, beim näheren Heranfahren das Stadttor, im Hintergrund der Dom.
Der Ein- oder Andere wird sich denken ich sei ein frommer, christlicher Mensch, nein, bin ich nicht, wenngleich gläubig, mir imponieren die Baudenkmäler und schöne Kirchenfenster.
Ich muss sagen, der Dom zu Worms hat was, nicht nur wegen der Architektur und den Fenstern, auch das gesamte andere Interieur läßt mich staunen.
Heute tue ich etwas, was ich bisher vllt. Einmal in meinem Leben getan habe, ich zünde im Gedenken an mir im Leben wichtige Menschen bei der Mutter Gottes eine Kerze an, ohne mich dafür zu schämen, es war mir ein Bedürfnis welches ich mir selbst nicht erklären kann, keine Ahnung warum.
Am alten Vater entlang geht´s auf teilweise schlechtem Belag über Oppenheim nach Nierstein, wo ich einen am Weg liegenden Imbiß aufsuche. Bezeichnenderweise bietet der Betreiber hier „Nierengulasch“ an, ich bestelle mir eine Portion, und bin begeistert, einfach köstlich.
Seit Worms fahre ich linksrheinisch, bis zum CP-Rheinufer in Mainz-Laubenheim, wo gerade ein junges Paar angekommen war, und die Betreiberin mit meiner Ankunft bereits überfordert schien, unfreundlich wie sie sich gab. (Der CP ist nicht zu empfehlen)
Am Abend gönne ich mir in der CP-Gaststätte noch das Einzige was es zu essen gab, eine Maizer Spezialität, Weck,Worscht un Woi (Brötchen, Fleischwurst, Wein), wobei ich ´ne Apfelschorle nahm.
Km 85,67

Tag 8, 16.08.2011

Als ich gegen 07:30h wach werde, fällt mir gleich wieder diese CP-Betreiberin ein, die doch tatsächlich gestern Abend ihren uralt CP mit vor Urzeiten in Eigenarbeit zusammen geschusterten Sanitäreinrichtungen mit einem 5 Sterne CP in Österreich verglich, unfassbar.
Ich verlasse diesen Ort, mache unterwegs ein so genanntes Alibi-Foto, weil ich an anderer Stelle schon viel früher berichtet habe, glaube ich zumindest. Im am Weg liegenden Supermarkt mit Bäckerei Filiale gibt’s für 2,10 € eine Kaisersemmel mit einer dicken Scheibe Leberkäs und Kaffee.
Von Mainz-Mombach über die Schiersteiner-Brücke geht´s zur rechten Rheinseite, weil ich in Östrich-Winkel einen alten Bekannten, Schorsch Eger, Winzer, Gastwirt, Koch, Hotelier, Entertainer, Musiker, Sänger, Büttenredner, Agenturchef und was weiß ich noch alles, auf jeden Fall ein netter Kerl mit dem ich schon ´ne Menge Spaß hatte, einen Besuch abstatten will. Er steht natürlich wie so oft, zuletzt war ich vor 3 Jahren hier in der Küche für den Mittagstisch eines Reisebusses. Das bedeutet wenig Zeit im Augenblick, er bittet mich doch zum Essen zu bleiben, aber die Leberkässemmel hält noch ´ne Weile vor.
Auf der stark befahrenen Bundesstraße fahre ich nach Rüdesheim, um von dort die Fähre wieder zur linken, schöner zu fahrenden Rheinseite nach Bingen zu nehmen. Weil ich wie erwähnt an anderer Stelle schon über die Rheinschiene berichtet habe, gibt´s hier entlang der Strecke nichts Neues zu berichten, es gibt noch die Pfalz bei Kaub, Oberwesel, die Loreley, St. Goar, und die große Anzahl an Burgen usw.
Genau wissend wohin ich will, steuere ich den CP-Sonneneck in Spay, kurz hinter der Loreley, mit seinem schönen Swimming-Pool an. Hier baue ich auf, nehme bei dem herrlich warmen Wetter ein ausgedehntes Bad. Hier gibt es in der Restauration einen Hähnchengrill den ich sehr empfehlen kann.
Km 93,15

Tag 9, 17.08.2011
Auch wenn die Nacht trocken war, ist das Zelt durch die Nähe zum Rhein klitschnass. Ich lass es ruhig angehen, in der Hoffnung dass die Sonne noch ihren Dienst tut und bereite mir noch ´nen Cappu, den guten von Nestle´.
Aber ich muss los, programmiere das Ibex nach Lahnstein, und wundere mich nicht schlecht, ich soll zurückfahren zur Fähre bei Kaub? Nix da, nicht mit mir, ich lass mir doch von so ´nem Technikkram nix vorschreiben, das tun andere die ich kenne, der ist dem Navi hörig. Ich widersetze mich also, und fahre in Richtung Koblenz, bis ich nach dem 3. Mal „nach 300 m bitte wenden“ das Gerät stumm schalte.
Aber Pustekuchen, dort wo einst die Fähre nach Lahnstein verkehrte, liegt heute nur noch die Brücke samt Ponton und rottet vor sich hin, das wegweisende Schild jedoch zeigt in Richtung Lahnstein, und jeder der das ernst nimmt, liegt dann kurz darauf im Rhein.
So nehme ich die erste verfügbare Brücke in Koblenz und fahre nach Lahnstein zurück, überlege aber wer hat denn nun den besseren Weg berechnet, Navi oder ich?? Egal, ich bin an der Lahn, die sogleich mit dem berühmten Wirtshaus, wo bereits Johann Wolfgang von Goethe gespeist hat aufwartet, sehr schön, mit der Burg Stolzenfels im Blick.
Nach anfänglichen, moderaten Steigungen folgten dann doch etwas heftigere, gefolgt von kurzen Abfahrten. In Bad Ems drehe ich eine kleine Runde, wirklich schön hier, um weiter Kurs auf Nassau zu nehmen. Zuvor jedoch muss ich richtig klettern, hier gibt es einen Aussichtspunkt, wo ich zwei Radler, einer mit Liegerad kennenlerne. In der nun folgenden Abfahrt tut es einen gewaltigen Schlag, etwas, evtl. ein Stein ist mir ins Hinterrad geflogen und hat mir eine meiner Messerspeichen zerfetzt.
In Nassau steht ein Wegweiser Richtung „Fahrradservice“, ich also über die Brücke, und nichts, auch auf Nachfrage bei ortskundigen den gibt´s nicht mehr. Ich erinnere mich an meine 2 Ersatzspeichen die ich normalerweise immer mitführe, von denen jedoch nur noch eine da ist. In einem kleinen Park in Nassau gelingt es mir tatsächlich, diese Speiche durch das Ritzelpaket zu fädeln und einzuspeichen, doch die ist ca. 1 cm zu lang, außerdem hat eine weitere Speiche einen Knick bekommen.
Dann muss ich also so weiter fahren, es geht höher und höher, auf dem so genannten Lahn Höhenweg über das Kloster Arnstein. Es folgt eine 16%ige Abfahrt und geht danach ziemlich flach dahin bis Laurenburg, wo ich auf Empfehlung der Hinweisschilder bis Balduinstein den Zug nehme.
Auffällig sind die enorm vielen Kanuten, überall auch Verleihfirmen, viele Eltern mit Kindern. Auf keinem anderen Fluss hab ich das bisher so gesehen.
Mein hinteres Laufrad bereitet mir Sorgen, all zu lange wird das nicht gut gehen, aber ich habe Glück, in Diez finde ich einen ganz tollen Radbauer, der natürlich „meine“ Speichen nicht hat, aber mit anderen Speichen versucht das HR zu reparieren. Schließlich schlägt er mir vor, mir eines seiner Laufräder einzubauen, dass ich weiterfahren kann. Super, so etwas findet man selten! Gesagt, getan, ich kann weiterfahren und steuere gleich den CP- Oranienstein in Diez an, wo sich die beiden zuvor kennengelernten Radler bereits frisch geduscht ein Bier schmecken lassen.
Das tue ich dann auch, die Reparaturen haben viel Zeit gekostet, und es war heiß heute.
Aufbauen, Essen, Schlafen ist angesagt.
Km 70,00 exakt

Tag 10, 18.08.2011
Nachdem ich mich gestern Abend noch länger mit Bernhard und Thomas unterhalten habe, fahren wir heute überwiegend gemeinsam, eine willkommene Abwechslung, auch wenn ich das Alleinfahren sehr schätze.
Die Steigungen halten sich in Grenzen, dennoch hat die leicht wildromantische Lahn ihren Reiz.
Bernhard und Thomas fahren heute nur noch bis Weilburg, von wo sie dann mit der Bahn die Heimreise antreten wollen.
Unsere Fahrt verläuft recht unspektakulär, auch zu Fotos ist es durch anregende Gespräche in dieser Gluthitze heute über Limburg und Runkel kaum gekommen, wenige km vor Weilburg kehren wir noch in ein Gartenrestaurant ein um uns zu stärken.
In Weilburg verabschieden wir uns gegen Mittag, ich fahre weiter und erreiche Wetzlar, eine schöne Stadt, wie ich auf der Suche nach einem Baumarkt feststelle, ich brauche Camping-Gaz für meinen Kocher.
Gleich neben dem CP-Wetzlar ist ein griechisches Restaurant, wo ich mir eine leckere Pizza gönne.
Km 87,17

Tag 11, 19.08.2011
Irgendwie komme ich heute nicht in die Gänge, und erst gegen 09:30h sitze ich im Sattel.
Sehr schön ist es hier entlang der Lahn zu radeln, nur der Himmel verspricht heute nichts Gutes, finster sieht es, d.h. nach Regen aus.
Ich bin noch keine Stunde unterwegs, als -während ich durch eine Kleigartensiedlung fahre- der Himmel seine Schleusen öffnet und es regnet was das Zeug hält.
Ich habe nur einen großen Baum im Blick, der mir Schutz bieten sollte, während ich aus meiner Frontrollertasche links meinen Poncho hole. Doch selbst der große Baum ist nicht in der Lage, mir Schutz zu bieten, aber oh Wunder, hier hat man tatsächlich ein Dixi-Klo aufgestellt, in das ich flüchte.
Und ich habe Glück im Unglück, das Teil ist Super sauber, riecht nicht, vermutlich ist es seit der letzten Reinigung noch nicht benutzt worden und ziemlich neu. In dieser Behausung verbringe ich fast eine geschlagene Stunde, bis der Regen etwas nachlässt. Nachdem sich die Situation etwas beruhigt hat, hole ich meine Regenklamotten aus der Packtasche, ziehe an und fahre weiter, wie sich herausstellt in die falsche Richtung, hatte ich doch vor lauter Regen ein Schild „links abbiegen“ übersehen.
Als ich später Giessen passiere, danke ich der Stadt für das Aufstellen dieses Dixi-Klo´s und bewege mich gen Marburg, wo sich die Sonne bereits wieder zeigt und ich mich der Regenklamotten entledigen kann.
Hoch über der Stadt thront ein schönes Gebäude, welches mich dazu bewegt, eine betagte Dame Typ Jungfer/Lehrerin zu fragen, „ist das die Marburg?“, ihre etwas schnippische Antwort „nein das ist das Schloss Marburg“ läßt mich vermuten, dass sie sich etwas verarscht fühlte, sorry, das wollte ich nicht.
Nachdem ich den Ort Cölbe passiert hatte, bremsten mich nicht die Steigungen, sondern die so genannten „Berge des Nordens“, die doch hier gar nichts verloren haben, Gegenwind ohne Ende, 2-stellige km/h Angaben sind trotz heftigen Strampelns kaum erreichbar und ich beschließe vor Bad Laasphe noch eine Übernachtung einzulegen.
Daher beauftrage ich das Falk, mir einen CP zu suchen, 2 davon waren in adäquater Entfernung, der nächstgelegene in Kernbach, den fahre ich an, doch was sich mir dort für ein Bild bot, grässlich, die Betreiberin am Nachmittag im Schlafanzug.
Nichts wie weg denk ich mir und weiter nach Brungershausen. Hier finde ich einen prima CP vor, den CP-Auenland , nette Leute, gepflegte Sanitäranlagen, und ein Traumplatz direkt an der hier noch kleinen Lahn.
Zum krönenden Abschluss des Tages bereitet mir die Senior-Chefin noch ein schmackhaftes Essen (Rahmspinat mit Salzkartoffeln und Bratwurst) die große Portion für nur 5 € zu.
Km 81,09

Tag 12, 20.08.2011 Teil I
Auch wenn die Nacht sternenklar war, was ich mit Fotos unterstreichen wollte, die nicht gelungen sind, ist das Zelt klitschnass, stand meine Behausung ja auch direkt am Wasser.
Ich lasse mir Zeit, doch die Sonne hat noch nicht genug Kraft um eine Trocknung herbeizuführen, so packe ich wieder einmal nass ein und verlasse den schönen CP-Auenland in 35094 Lahntal-Brungershausen gegen 08:50h.
Heute will es nicht so richtig laufen, und ich bin ziemlich trödelhaft unterwegs, -ist es der wachsende Respekt vor den bevorstehenden Anstiegen?- schließlich habe ich das Profil vom Radreise-Wiki gut im Kopf. Und ich muss sagen, im weiteren Verlauf geht´s zumindest für mich schon ziemlich „ans Eingemachte“, in Biedenkopf schaffe ich einen Anstieg so gerade noch ohne zu schieben, selbst ein Pedelec-Fahrer erreichte mich keuchend auf dem höchsten Punkt. Geschafft, und es geht wieder etwas bergab, am Ortsausgang stärke ich mich in einem Metzgereiimbiß mit 2 belegten Brötchen und Kaffee um Kraft zu tanken für weitere Mühen. So rolle ich dann auch noch im Laufe des Vormittags in Bad Laasphe ein.
Bei einem freundlichen vor Ort, der sich ja auskennen sollte, erkundige ich mich mal vorsichtig nach dem weiteren Verlauf, dieser rät mir jedoch, besser den Zug zu nehmen, bepackt wie ich sei.
Ich überlege nicht lange, fahre zum nahegelegenen Bahnhof, ziehe ein Ticket, wie empfohlen nach Lützel, um mich erneut –da ich noch eine Std. Zeit habe- bei einem Metzgereiimbiß mit einer warmen Suppe zu stärken. Das war auch nötig, denn der Einstieg in den Zug entpuppte sich als wahrer Kraftakt, 4 steile Stufen hoch, nie gehabt bisher. Während ich noch auf den Zug warte, versuchen mich drei Wespen mit aller Gewalt zu stechen, wurden aber kurz vor´m Zustechen von mir tödlich verletzt. Warum ich das erwähne, davon später mehr.
Ich befinde mich im Zug ganz vorne, was mir Gelegenheit gibt, mich mit dem Zug-und auch Lokführer zu unterhalten. Der Zug hat es sehr schwer, das Rothaargebirge zu erklimmen, der Lokführer meinte nur, dass dies im Winter noch viel schlimmer sei, und man früher bei den Dampfloks richtig Kohle schippen musste, um das Teil unter Dampf zu halten.
Als ich dann in Lützel aussteige, mit dem sicheren Gefühl alles überstanden, bzw. aus dem Weg gegangen zu sein, sollte mich täuschen, denn es ging gleich wieder richtig los mit Steigungen ohne Ende, aber auch einem schönen Blick über das Rothaargebirge vom Gipfel der Sackpfeife aus.
Hier hat man die Wahl, wohin man möchte, ob Lahn, Sieg oder Eder, man kann es sich aussuchen in diesem wunderschönen Naturpark.
Nachdem ich den für mich richtigen Weg in Richtung Sieg gefunden habe, folgt eine rasante, lange und kurvenreiche Abfahrt, mein vorletzter Blick auf den BC zeigt 56,7 km/h , der letzte Blick 0,00 km/h, mit dem sicheren Gefühl, das Navi zeichnet den Trip auf, konzentriere ich mich nur noch auf´s Fahren, jetzt bloß nicht versteuern oder sowas, in abenteuerlicher Manier hinab ins Tal gen Siegen. Im Flachen angelangt, untersuche ich erst einmal den BC bzw. den von mir für Messerspeichen geeigneten umgebauten Speichenmagneten, den hatte es bei der hohen Geschwindigkeit nach außen getrieben, so dass kein Kontakt mehr gegeben war.
Schnell stellt sich heraus, dass der von mir heruntergeladene Track nichts taugt, doch die winzige Sieg ist schnell gefunden. Nach Neckar und Lahn –und unzähligen anderen Flüssen zuvor- jedoch, Liebe Siegerländer, enttäuscht mich das hier doch sehr, hier kann man m.E. noch viel tun, um den Siegtalradweg attraktiver zu machen.
Kurz vor Eiserfeld werde ich umgeleitet, bis sich wenig später vor mir ein Absperrgitter mit einem mittig angebrachten „Durchfahrt verboten“ Schild in den Weg zu stellen versucht. Mein erster Gedanke, „Mors lecken, rasieren 3,50“ hat bisher immer geklappt, versuche ich ganz elegant das Gitter zu umfahren, und lege mich derart auf die Fresse, dass der Bewohner eines nahegelegenen Hauses von seiner Terrasse aufspringt und zum Ende seines Gartens läuft um mir näher sein und laut fragend ruft „sind sie OK?“, „soll ich Hilfe holen?“. Im Aufrappeln hebe ich kurz den Arm zum OK Zeichen, und nachdem ich mein Rad samt Package gerichtet habe, und mir noch kleine Steinchen aus den Schürfwunden an Ellbogen und Knie puhle, rufe ich ihm zu „keinen Notarzt bitte, ich lebe noch“. Steige auf und fahre weiter, nicht weit, höchstens ca. 200m, da wartete das nächste Gitter und dahinter eine wegen Bauarbeiten halb aufgerissene Brücke. Ein etwas älterer Prospektverteiler mit seiner Frau und Kartoffelporsche meinte nur „hier geht´s nicht weiter“, sondern zurück über den ALDI-Parkplatz usw. Ich wende also, und fahre zurück, elegant um das Absperrgitter, und naja, sie wissen schon, oder?, ich lege mich zum 2. Mal lang und bekam die Quittung für „Mors lecken, rasieren, dreifuffzig“.

Tag 12, 20.08.2011 Teil II
So fahre ich dann über Niederschelden, quasi immer entlang der recht stark befahrenen B62 bis nach Betzdorf/Sieg, was keine wahre Freude war. Zumal mir unterwegs während der Fahrt noch eine Wespe ins ohnehin lädierte Knie stach, weiß der Geier was die für ein Info-System haben um ihre Rachegelüste an einem vermeintlichen Wespenmörder zu befriedigen.
Hier befrage ich, es ist schon reichlich spät, das Falk nach einem CP. Nach kurzer Suche kommt die Info, in ca. 11 km Entfernung. So lasse ich mich lotsen, doch immer wieder insgesamt 3x den Berg hoch und auch beim Schieben merklich schwerer als üblich, in eine Richtung mit der ich mich nicht anfreunden konnte. So frage ich einen Anwohner, der sagt nur völlig falsch, zurück auf die B62 Richtung Wissen/Sieg. Hier erkenne ich den Grund, warum mich das Navi anders leiten wollte, ein Tunnel, für Radfahrer verboten. Gegenüber der Tunneleinfahrt eine Polizeistation, und wohlwissend, dass mein Rücklicht immer noch nicht funktioniert, stürze ich mich unverantwortlich und somit todesmutig ins Dunkel der Tunnelröhre, begleitet von hupenden Autos, und wähle prompt bei der Tunnelausfahrt die falsche Richtung wie sich später zeigt, denn irgendwann kommt mir vieles bekannt vor -Paule kennt das auch-, und die Entfernung zum anvisierten CP vergrößert sich.
Bei mir wächst die Erkenntnis, misstraue nie einem Navigationsgerät. Ich wende also, und lande wieder ohne Tunneldurchfahrt in Betzdorf, lese nur Bahnhof und sehe eine Eisdiele. Der heutige Tag hat Nerven gekostet, und ich habe schlicht und ergreifend die Schnauze voll, Ende, Ende, Ende schießt mir durch den Kopf.
In der Eisdiele gönne ich mir zunächst einen großen Eisbecher plus Cappu, um danach per Zug die Heimreise anzutreten.
Ein Blick auf die Info am Automaten verrät, dass in ca. 15 min. um 21:27h ein Zug nach Köln mit 2x umsteigen (1x Hennef/Sieg, 1x Siegburg) fährt. Ich löse das Ticket für 10 € nach Köln -danach fahre ich wegen der Schwerbehinderung umsonst-, der Zug kommt pünktlich und kurz vor Hennef 3-4 mal die Ansage, dass ab Hennef ein Schienenersatzverkehr in Form eines Busses um 22:13h und um 22:43h von der Humperdinckstraße abfährt. Die letzte Durchsage kam um 22:11h und der Zug rollte noch. Ich raus, runter in die Unterführung und fahre (das ging) raus, instinktiv wie sich später zeigen sollte, zur Humperdinckstraße. Doch weit und breit kein Bus. Ich kehrt Marsch, zurück durch die Unterführung zum Bahnhofsvorplatz, wo gerade ein Bus abfährt, den ich jedoch durch lautes Rufen zum Stehen bringe. Nachdem ich eingestiegen war, frage ich ob das der Schienenersatzverkehr ist, der Fahrer jedoch antwortet nein und läßt mich wieder aussteigen. Völlig verwirrt frage ich nun einen Taxifahrer nach der Humperdinckstraße, und es stellt sich heraus ich war vorhin richtig, und fahre wieder dort hin. Es ist 22:25h, kein Mensch weit und breit und ich warte. Gegen 22:40h kommt Bewegung in die Sache, einige junge Leute fragen nach besagtem Bus, auch ein an der Kleidung zu erkennender DB-Mitarbeiter kam dazu, der dann weil kein Bus kam zu beruhigen versuchte, schließlich sei er der Lokführer des Zuges ab Siegburg, also müsse der Bus kommen, doch neeeeiiin, es kam keiner. Nach langem Telefonieren des Bahnbediensteten stellt sich heraus, dass durch totale Fehlplanung der Bahn kein Bus kommen wird und man doch ein Taxi nehmen möge.
Der Bahnmitarbeiter sollte und wollte zwar alles regeln, doch ich musste letztlich mein Taxi selbst bezahlen, verlor noch eine Adapterplatte des Falk, die incl. Versand noch 27 Euronen kostete, und erwarte nun von der Bahn die Erstattung der Taxi-Kosten in Höhe von 15,00 €.
Am Ende stellte sich heraus, dass meine Entscheidung richtig war, denn das Bike war mit 3 gebrochenen Speichen am hinteren LR nicht mehr fahrbar und so war ich gegen 01:50h zu Hause.
Damit bin ich für diesmal am Ende dieser Abenteuerreise, bis zur nächsten Tour, wenn man mich lässt.
Das restliche Stück der Sieg werde ich zu gegebener Zeit nachholen, auch wenn die Sieg bis dahin alles andere als prickelnd war.

Alle Fotos gibt´s hier!

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